Mein Weg durch den Whisky

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    • Wie erwähnt, die Schreibweise und die Artikel von Willard gefallen mir, aber

      Gemüse, Kunst, Literatur, Privatsender, den Untergang des Abendlandes mit dem Genuss von Whisky zu vergleichen ist schon etwas weit hergeholt.

      Meine bescheidene Meinung.
      Ich bin ein Blauer

      Je größer der Dachschaden, um so freier ist der Blick in die Sterne.
    • Ob am Thema vorbei oder nicht, scheinbar komme ich über den Whisky ein wenig ins Philosophieren...

      Oder ganz unromatisch mal ausgedrückt von "Element of Crime":
      "Ich will immer so gern berauscht sein
      Und werde doch immer nur breit
      Und kaum daß ich einmal nüchtern bin
      Ist der Sommer schon wieder vorbei"

      Und auf jeden Fall freut es mich, dass der Text immerhin interessant genug zu sein scheint, um Diskussionen anzuregen.
      Womit letztendlich ja auch die These untermauert wird, dass Whiskygenießer an sich geistreiche Menschen sind, oder sich mit Unterstützung des "Lebenswassers" zu solchen entwickeln.

      Schön hier in diesem Forum gelandet zu sein.
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      Bauhaus
    • Sherry, Sherry Lady.... :headbang:

      Sherryfassgreifte Whiskys erfreuen sich nach wie vor großer Beliebheit. Gelobt wird die Sherrynote, das besondere Aroma. Und nicht zu vergessen, Sherryfass ist Luxus, schließlich werden die gebrauchten Holzkübel immer teurer.
      Genau genommen ist diese ganze Sherryfassgeschichte doch dem sprichwörtlichen Geiz der Shotten geschuldet.
      Da die Britten immer schon gern und ausufernd Sherry gesoffen haben, ist das Zeug früher fassweise auf die Insel transportiert worden.
      Leergeschlabbert waren die Dinger am Ende halt über.
      Und da hat sich der kluge Schotte gesagt: "Ey, was für ein schönes Fässle für meinen Whisky..."
      Und schon war der Hype um das besondere Fass geboren.
      Und jetzt wird im Sherryfass gereift, gefinished, gemixt, gekreuzt usw. usw.
      In Tastings wird über Nuancen, Noten und Geschmäcker philosophiert... ::/..
      Aber warum verdammt muss ein Whisky denn nach Sherry schmecken?
      Und haben wir nicht einfach nur Glück, dass damals in Schottland nicht gerade Heringsfässer über waren?

      Ok, Spaß beiseite, ich mag auch schöne in Sherryfässern gereifte Whiskys. Ich sag nur Glendronach Revival 15Y.
      Aber Anfänger, der ich bin, hatte ich mal ausgesprochenen Appetit auf einen Whisky, der noch nie ein Sherryfass gesehen hat.
      Das Objekt der Begierde: Balvenie Single Barrel 12Y

      Gewisse Vorurteile hege ich nun leider gegen die Brennerei. Immerhin ist Balvenie die kleine Schwester von Glenfiddich...
      Man mag den Grants zugute halten, dass sie viel für die Verbreitung von Single Malt beigetragen haben ( Wer weiß, sonst würden wir hier immer noch Met und Korn saufen :lala: ), aber irgendwie ist mir diese Whiskyfabrik mit ihren vielen massenkompatiblen Malts ein wenig zuwieder (Und nein, ich möchte hier natürlich keinen Glenfiddich Fan persönlich beleidigen, und entschuldige mich schon mal vorab (..) ).
      Aber der Balvenie hatt einige Daten, die ihn reizvoll machen: wahrscheinlich nicht gefärbt und mit sportlichen 47,8 Volumenprozent in die Flasche gegossen. Dazu noch aus einem einzigen Fass abgefüllt und nicht "geschmacksoptimierend" gemischt. (Des Whiskys reine Seele?)
      So klang die kleine Schwester schon mal recht interessant.

      Im echten Leben und auch beim Whisky lohnt es sich seine Vorurteile über Bord zu werfen.
      Das mit dem Single Barrel war wirklich Liebe auf den ersten Schluck! (Habt ihr schon mal versucht mit vollem Mund breit zu grinsen... :D )
      Vanille, Honig, Orangen und noch viel mehr und dazu trotz der nicht wenigen Umdrehungen mild, aber angenehm gehaltvoll.

      Was soll ich sagen; eine neue Reise hat begonnen :thumbup:
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      Bauhaus
    • Eine schöne Zwischenstation auf deinem Weg,
      viel Spaß weiterhin auf deiner Reise willard :taetschel:
      1900
      "Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken." (E.Kästner)
      "Trolle gibt es leider immer noch, auch wenn ich in natura noch keinen sah" (unbekannt)
      FT Theater:
      El Tren´s Theater: Bar & Lounge
    • Netter Thread.

      und du hast recht das Thema Whisky ist eine Reise, eine Reise ohne Ziel oder mit dem Ziel niemals ankommen zu wollen. Es eröffnen sich neue Horizont und man betritt unentdecktes Land.
      Über Geschmack läßt sich nicht streiten, da hat jeder seinen persönlichen Erfahrungen, das ist auch gut so.

      Oft werde ich gefragt was mein Lieblingswhisky oder - distillerie sei. Es gibt von beiden zu viele, als das ich da den einen oder anderen herausstellen könnte und es verschiebt sich in Laufe der Zeit (Der Bessere ist immer auch der Feind vom Guten!“. Es gibt verschiedene Gründe, die Hersteller verändern ihre Produkte, es ist abhängig von dem Jahreszeiten oder vom Ort. Ja auch die persönliche Tagesform oder die Tageszeit ist entscheidend. Probiere den gleichen Whisky an verschieden Tagen und zu verschieden Zeit, oder vor und nach dem Essen.

      In der Regel habe ich zu Hause in der Bar 20-25 geöffnete Flaschen. Bekomme ich Besuch und wir möchten gemeinsam einen Whisky trinken. Stehe ich vor den offenen Flasche und überlege: „Was könnte meinem Gast schmecken, was interessiert Ihm oder womit möchte ich ihn überraschen/ schocken.“ Je besser man seine Gäste kennt je treffsicherer wird man in seiner Wahl. Oder ich mache es mir leicht und lasse den Gast aussuchen und überlege anhand seiner Wahl ob ich ein Dram mittrinke oder Lust auf einen anderen habe. Immer in der Hoffnung Mein Gast trifft eine gute Wahl, denn sonst stehe ich wieder vor meiner Bar und überlege worauf ich Bock habe.

      Whisky ist für mich eine Kommunikationsdroge, man möchte sich beim Genuss darüber austauschen. Ich sage auch immer zu jeden guten Whisky gehört eine gute Geschichte, dabei sind die besten Geschichten die selbst erlebten.

      zu den Sherryfässern:
      Wenn es keine Kundenklientel dafür gebe würde es keinen Sherryfass gereiften Whisky geben.
      Sicher was du zu den Sherryfässer schreibst, mag in grauer Vorzeit so gewesen sind.

      In der Neuzeit reden wir mehr von Sherry Industrie, der Weltmarkt hat in der Neuzeit überhaupt kein Interesse an Sherry (nicht ganz, aber der Sherryabsatz ist stark rückläufig seit Jahren schon).
      Auch kommen keine Sherryfässer mit Sherry auf die Insel. Mit der industriellen Produktion der Glasflasche hat das Fass als Transportmittel schlicht und ergreifend ausgedient. Abgefüllt wir in den spanischen Sherrybodegas ausschließlich vom Sherry-VAT (8000-10000Liter) in die Flaschen, es gibt ganz wenige Ausnahmen wo der Sherry in Fässern reift. Auch sind die Spanier dazuübergegangen ihre Cherryfässrer wieder zu befüllen, Kosten frage.

      Tja, wo kommen die zahlreichen Sherryfässer her, wenn es eigentlich keine mehr gibt und die Konsumenten kaum noch Sherry trinken.
      Die meisten Sherrybodegas in Spanien sind fest in schottischer Hand (über internationale Großkonzerne), dort werden die Fässer im Auftrag der schottischen Distillerien mit Sherry belegt, aber der Sherry der reift ist völlig uninteressant, dieser wird wenn die Zeit um ist zum Essig verarbeitet.

      Positiver Nebeneffekt, schau dich in den Lebensmittelgeschäften um, was dort im Essig- und Ölregal alles steht. Das Gourmetherz geht da über.

      Ja ein Sherryfass ist teuer. Warum weil die Nachfrage so groß ist. Angebot und Nachfrage regulieren den Preis. Das Fass muss aus europäischer Eiche gefertigt sein. Nun schau dich um in Europa, Eichenbäume eher selten geworden. Dann schau rüber über den Teich, vergleich die Fläche von Nordamerika mit Europa und schau die deren Eichenwälder an. Dazu kommt die amerikanische Eiche eignet sich besser zum Fässer bauen.

      Und richtig in Amerika ist das Fass nach der Belegung mit Bourbon für die Whiskyindustrie unbrauchbar, also ab nach Schottland damit. Da sind nicht nur die Schotten geizig sondern auch die internationalen Großkonzerne.

      Du trinkst gern Malt Whisky gereift in Bourbonfässer, da hast du gar keine Sorgen, denn der Anteil der Bourbon Fässer liegt so bei 90%.


      Zu den Grants:

      Vorab ich bin kein Glenfiddich Fan, den 12 y.o. mag ich auch nicht, aber da bin ich und bist du nicht die Zielgruppe. Das ist Massenware, und die vielen Millionen verkauften Flaschen im Jahr muss irgend auf der Welt trinken. Schau dir den Preis pro Flasche an, billig für eine Flasche Alkohol ist das nicht.

      Aber ich mag die Grants, denn alles was sie bisher gemacht habe war ausnahmlos durchdacht und richtig gut. Und die Grants, ein schottischer Familienbetrieb, haben nur ihren Whisky, sie bewahren Tradition und schauen weise in die Zukunft. Wenn der Whiskymarkt stagniert, dann haben die ein massives Problem. Die Großkonzerne schließen dann ein paar Distillerien in Schottland und stellen irgendwo auf der Welt eine paar neue Brennapparate auf und verkaufen das was am Markt geht. Die Grants sind sozusagen einer der Signalgeber in der Whiskybranche.

      Zu den Grants gehört:
      - Glenfiddich
      - Balvenie
      - Kininvie
      - Alisa Bay
      - Girvan (Grain)
      - Tullamore (Irish)
      - Hudson Bay (Burobon/ Rye)

      Gut die alten Geschichten ( erster Single Malt; erstes Visitorcenter) von den Grants kennst du.
      Aber hast du gewußt, das die Grants die Marke Tullamore Dew gekauft haben und dann in Rekordzeit in Tullamore für 34 Million eine neue Distillerie hingestellt haben (letztes Jahr Ende September eröffent). Die Distillerie ist modern und sieht auch sehenswert aus. Die Iren sind glücklich, besonders in der Umgebung von Tullamore. Man kann sagen sie lieben die Grants. Das war ein Signal. Nicht nur das nach 60 Jahren in Tullamore wieder Whisky produziert wird. Nein gab es 2013 in Irland noch 4 produzierende Distillerien sind es zur Zeit schon 13 aktive und 2017 wird wohl die 30 geknackt. Der Irish Whiskey ist wieder im kommen. Ich finde es Klasse und ja Hut ab vor den Grants.

      Dann das leidige Thema NAS, schon oft im Forum heiß diskutiert. Ich kann den NAS Abfüllung auch nichts abgewinnen. Und wieder diese Grants, welche in der Branche ein klares Signal setzen.
      Ende letzten Jahres erfolgte das komplette Produktrelauch bei Glenfiddich, die Altersangabe prangt überdeutlich auf den Etiketten. Klare und deutliche Ansage an die Branche:„NAS ohne uns!” Etwas versteckt kann man darin ein Vorwurf erkennen, denn hätten die Mitbewerber einen guten Job gemacht, dann hätten sie bei ihren Whisky keine Lücken in Warehouse. Aber in den Großkonzern denkt man kurzfristig und weniger weitsichtig, vielleicht sind auch die Dienstwege einfach nur zulang. Wir wissen es nicht.
      Folglich müssen frühere Fehlentscheidungen ausgebügelt werden. Dabei haben wir Verbraucher noch Glück, denn wenn man sich auf die Methoden zur beschleunigten Reifung besinnt (in den USA ein großes Thema), ist hier mal richtig Elend zu erwarten. Und jetzt ist nicht die Frage ob sondern wann der direkte Wettbewerber Glenlivet zurückrudern wird. Andere werden sicher folgen.

      Schauen wir nach Girvan, die Grants tun auch viel für die Umwelt und die Region. Dort haben sie betreiben sie neben der Grain Distillerie, Alisa Bay (Malt) und Hendrik‘s (Gin) auf eine Biogasanlage. Die wird erweitert, im großen Stil, es entsteht ein Biogaskraftwerk (Werke) damit kann man 350000 Haushalte mit Strom versorgen. Sicher ein Teil als Eigenbedarf, aber auch an die Region wird gedacht.


      Und schön das du dich zum Balvinie Singel Barrel 12y.o.
      Da muss ich ehrlich gesagt gestehen der liegt mir persönlich nicht, und ich finde da gibt es bessere sowohl Glenfiddich‘s, Balvinie‘s, Kininvie‘s und Alisa Bay‘s.
      Zugegeben von Alisa Bay habe ich erst einen 3.y.o. aus einem PX-Cask mit 69,3 %Vol. (zu viel zu Thema sportlich, meine optimale Trinkstärkeempfindung liegt bei 46%Vol, dann kann man immer etwas Wasser probieren und hat immer Whisky im Glas). Aber der Alisa Bay ist der Oberhammer, seine Jungend und seine Alkoholstärke schmeckt man nicht raus. Für mich Hammerteil und wirklich nur für meine richtig guten Gäste.

      Ansonsten ist mein Kaufverhalten soweit optimiert, das ich generell nur Whisky kaufe der folgende Kieterien erfüllt:
      - Nicht gefärbt
      - Nicht kühlgefiltert
      - mindestens 43 %Vol, Fasstärke wird bevorzugt
      - Einfassabfüllung wird bevorzugt.
      - Finishing darf sein, wenn ich vor dem Kauf probieren konnte
      - Meine Grundregel nichts kaufen was ich nicht probiert habe oder ich zumindest eine Empfehlung aus gesicherter Quelle bekam.

      Das Konsum- oder Geschmacksverhalten anderer ist mir ehrlich gesagt zu ziemlich egal.
      Whisky ist eine individuelle persönliche Reise, die Erfahrungen muss jeder für sich machen.

      In diesem Sinne weiterin eine interessante und spannende Reise.
      „Es gibt drei Arten Menschen: die Lebenden, die Toten und jene, die über das Meer fahren.“


      Platon
      427-347 v. Chr.
    • :!: Das kann eine jahrelange Reise werden. :top:

      Schottland ist ja bekanntlich whiskytechnisch ein Weltreich. :P

      Meine nächsten Stationen waren Japan und Irland.

      Vor allem die japanischen Perfektionisten haben m.M. nach sehr elegante Malts destilliert.

      Bin gespannt auf deine nächsten Berichte.

      Gruß, Bernd
      Ich bin ein Blauer

      Je größer der Dachschaden, um so freier ist der Blick in die Sterne.
    • @Hebrides: Schöne ausführliche und präzise Stellungnahme. Ich hatte großen Spaß beim Lesen. :top:

      Es freut mich ungemein, dass hier Reaktionen, Meinungen und sogar Diskussionen kommen.
      Natürlich will ich hier nicht aufklären oder bilden. Auch bitte ich immer dran zu denken, dass alles ein bißchen mit Augenzwinkern gemeint ist.
      Im Grunde geht es darum ein wenig meiner Faszination für den Whisky zu teilen und natürlich ist das Thema vielfältig und ich gönne jedem seine Ansichten und Lieblingswhiskys.

      In der Sache geht es doch darum, dass wir alle ein faszinierendes Hobby mit unglaublichen Facetten teilen.
      Und es freut mich, dass ich offenbar in einigen Punkten den Nerv meiner virtuellen Mittrinker treffe! !==
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      Bauhaus
    • Toller Thread, ich kann mich mit allen Schattierungen hier wieder finden. Und an oberster Stelle steht der Genuss und der Austausch darüber. :top: :klatschen: :top: :klatschen: :sch:
      Grüße

      Heinz

      "Wenn Dir eine Taube auf den Kopf sch**** dann freu Dich, dass Kühe nicht fliegen können."
      "Ohne Gaudi is ois nix!" (Fredl Fesl)
    • Lamb Lies Down on Broadway

      Es wird wohl um 1986 gewesen sein. Peter Gabriel hatte gerade sein Album "So" veröffentlicht.
      Ich war in Schottland und führte mir in einem Pub in Edinborough gerade einige Pints McEwan Extra Stout zu. :beer:
      Ich hatte dort einen deutschen Backpacker kennengelernt und wir philosophierten ein wenig über Musik.
      Unter anderem natürlich über Peter Gabriel, das neue Album und darüber, dass er immer noch ein sehr genialer Musiker war, während der Rest von Genesis ohne ihn nur noch belangloses Zeug zusammen gekriegt haben.
      Recht knapp vor "Last Orders" beschlossen wir, auch genervt von der mittlerweile bierbedingten Häufigkeit der Toilettenbesuche, auf "Härteres" umzusteigen.
      Der Backpacker war Single Malt Liebhaber, was wiederum die Wahl der Getränke erleichterte.
      Der Wirt, selbst dem leckeren Gesöff zugetan (na klar, als Schotte), bekam mit, was da in seinem Pub abging (zwei deutsche Touris auf Whisky), und lud uns so auf eine Runde seiner Lieblingsmarke ein.
      Was da von unter dem Tresen zum Vorschein kam, war eine Flasche 15 Jahre alter Laphroaig.

      Bierseelig, wie ich war, fand ich den grandios. Und natürlich musste eine Flasche davon mit nach Deutschland.
      Der hat damals übrigens umgerechnet nur etwas über 50 Mark gekostet.
      (War allerdings für mich armen Schüler trotzdem 'ne Menge Geld)

      Zu Hause war dann der "strenge" Laphroaig doch nicht nur lecker, sondern eher ungewöhnlich.
      Trotz alledem und meines jungen Alters, habe ich dann noch eine Weile immer mal wieder gern einen guten Single Malt genossen. Als sich Laphroaig und eine Flasche Oban dann dem Ende neigten, war es vorbei mit der Whiskyleidenschaft. Nun junge Menschen sind halt sprunghaft in Ihrer Begeisterung.

      Letztes Jahr nun hatte ein Freund von mir seine Whiskyleidenschaft wiederentdeckt. Zum Geburtstag gab es natürlich 'ne Buddel für ihn.
      Und wie weiter oben schon erwähnt, hat er mich dann später angesteckt.
      Und genau hier schließt sich der Kreis in schönster Symetrie.
      Ich habe ihm nämlich einen Laphroaig geschenkt, was sonst (Quarter Cask).
      Den fand er auf den ersten Schluck aufgrund des heftigen Raucharomas grausig, mittlerweile ist es aber einer seiner Lieblinglinge.
      Und weil er so begeistert war, hat er mir irgendwann dieses Jahr ein Sample geschickt.
      Es war noch warm die Tage und ich saß abends gemütlich im Garten.
      Mit einem Gefühl zwischen Nostalgie und Ehrfurcht probierte ich dann im beginnenden Abendrot mein erstes Dram Laphroaig seit vielen, vielen Jahren.

      Und das Ende der Geschichte: :dance: :headbang: Einen Kondensstreifen hinter mir her ziehend rauschte ich gleich am nächsten Tag zum Dealer meines Vertrauens und holte mir eine Buddel von dem Zeug.

      Und das ist gut so. Das tolle bei dem Quarter Cask ist für mich in vielerlei Hinsicht das Peis Leistungs Verhältnis: Er ist zwar leider gefärbt, aber da er mit sportlichen 48% abgefüllt ist, nicht einmal kühlgefiltert. Ok NAS, aber wen kümmert's bei so einem leckeren Tropfen für so kleines Geld.

      Mein Fazit bleibt: eine irgenwie bemerkenswerte Whisky-Lebensgeschichte :thumbup:
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      Bauhaus
    • Whisky in the jar...

      In war jung zu einer Zeit, wo alles irische irgendwie angesagt war. Wir vernichteten literweise Guiness und hörten Musik von den Pogues und Dubliners.
      Ich kann mich an viele alkoholgeschwängerte und wilde Parties erinnern (zumindest zu einem Teil... :lala: )
      Wenn's denn mal Whiskey gab, dann war's ein Tullamore - naja, das hat mich eher veranlasst mich dem Bier zuzuwenden.

      Heute, viele Jahre später wohne ich in einem Dorf, dass einmal im Jahr zur Großstadt mutiert. Hier gibt es alljährlich ein recht ordentliches irish Folk Festival. Einen Abend spielen unter freien Himmel etliche irisch anmutende Bands bis in den frühen Morgen. Es gibt eine Menge Stände mit lecker Essen und Bier fließt natürlich in Strömen.
      Auch wenn meine jugendliche Irlandphase schon lange vorbei ist, genieße ich dieses Fest doch sehr.

      Zur Realisierung einer solchen Veranstaltung sind Förderer und Sponsoren nützlich. In diesem Jahr trat da jemand neues auf den Plan. Und der Name ist uns Whisk(e)yfreundem nicht unbekannt: Teeling.
      Jawoll, die netten Teelings, die gerade ihre Cooley Destillerie verkauft haben und nun in Dublin (The Heart of Ireland) neuen Whiskey brennen. Die Teelings ganz raffiniert, haben zwar die Brennerei verkauft, aber ihre (vollen) Fässer mitgenommen. Und so kann Teeling schon vom Start weg erstaunlicherweise mit interessanten Tropfen aufwarten.
      So ließ ich an diesem Abend des irish Folk Festivals das Bier links liegen und orderte Whiskey. Es dauerte ein wenig dem verwirrten Mann hinter dem Tresen zu erklären, dass ich den Teeling Blend ganz ohne Cola genießen wollte, lauwarm, so wie er war. Nosing Gläser gab es keine, und so wurde der edle Blend in Plastikbechern serviert. Der Becher groß und der Preis dank des Sponsorings offenbar günstig- 2,-€ für einen guten Doppelten.
      Der Abend versprach nett zu werden, die Musik war gut und nach drei doppelten Teelings klingt "Whisky in the Jar" aus tausend Kehlen gegrölt nochmal so schön. :headbang:

      Als die Party vorbei war und der Kater verflogen, beschloß ich mir nach dem äußerst süffigen Blend, den Single Malt mit nach Hause zu holen. Ein schöner Mix aus Whiskeys bis zu einem Alter von 24 Jahren und Finishing Noten aus fünf verschiedenen Starkweinfässern.
      Und wie schmeckt dat Zeuch nu?
      Tja, lecker is' schon, viel Frucht, Birne, Melone, etwas Kaffee, usw. Und trotz seiner 46% weich und mild.
      Ich mag den Kollegen aus Dublin schon, aber es fehlt was. Ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Scotch Single Malt war füher wegen seiner Schwere und Wuchtigkeit nicht bei der breiten Masse beliebt zu heißt es. Aber genau das ist es, was ich mag, diese "knorrige Malzigkeit", das wohlige "Knarzen" im Mund, diese Kantigkeit, die einen vor Genuß mit den Augen rollen läßt. Fast jeder gute Malt, den ich probiert habe, hat egal wie vollmundig und lecker er war immer ein paar Ecken und Kanten gehabt.
      Und deshalb an die Teelings: Good Job! Aber ich bleibe in Schottland :sch:
      (zumindest für den Moment...)

      Ach ja, und Guiness vom Faß mag ich immer noch.
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    • Blacky schrieb:



      Bin auf deine Japanreise gespannt, die doch bestimmt auch noch folgen wird ???
      Ich habe mal auf Empfehlung einen als gut gepriesenen Japaner bei einem Tasting probiert. War ok, hat mich aber nicht wirklich überzeugt...
      Bei einer großen Zahl an Schotten, die mich noch sehr sehr interessieren, scheue ich mich ein wenig davor, mich geschmacklich nach Japan zu begeben, sprich mal für richtig Geld eine Flasche zu kaufen.
      Möchte mich jemand eines Besseren belehren (bzw. überzeugen), so bin ich gern bereit ein größeres Sample käuflich zu erwerben und natürlich hier von einem kleinen Japan-Ausflug zu berichten.

      Ansonsten schauen wir einfach mal, worauf ich so im kommenden Jahr noch Lust bekomme... :D
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      Bauhaus
    • Ich hab auch mal eine Testserie " Japaner" gefahren. Ja, waren tolle dabei. Aber letztendlich hab ich keinen Bock auf Japan.
      Bourbon hab ich als Sample Testserie auch mal durchexerziert - hat mir auch nicht so zugesagt.
      Die Iren sind ok, die Schotten sind nun mal die geilsten auf dem Sektor.

      Schöne Berichte, liest sich gut, lenkt schön ab.
      clansman-malt-connection@gmx.de
      Neu eingetroffen....

      Motörhead 1975 & Speyburn 1897
      Lemmy - never forget!
    • OdinNord schrieb:

      Bourbon hab ich als Sample Testserie auch mal durchexerziert - hat mir auch nicht so zugesagt.

      Trotz meiner noch sehr geringen Erfahrung scheinen mir tatsächlich die Schotten die "Geilsten" zu sein. Warum eine gute Kopie trinken, wenn das Original doch so lecker ist...
      Aber Meinungen sind vergänglich, da sie sich durchaus mit wachsender Erfahrung verändern dürfen.
      Vielleicht sitze ich dann doch irgendwann vor einem z.B. indischen Whisky.

      Jetzt wird erstmal ein recht simpler Bourbon getestet, aus bestimmten Gründen. Aber dazu später.
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    • Bourbon schmeckten mir oft irgendwie parfümiert.

      Ein für meinen GEschmach sehr leckerer mit einem klasse PLV ist der Wild Turkey Rare Breed.

      Die ganz Teuren hatte ich allerdings nie im Glas.
      Ich bin ein Blauer

      Je größer der Dachschaden, um so freier ist der Blick in die Sterne.
    • also den Blanton's "Straight from the Barrel" 125 proof fand ich gar nicht so übel... ist halt deutlich milder als die Schotten, meiner Meinung nach eher mit einem Iren vergleichbar - aber durchaus trinkbar
      ------------------------------------------------------------------------

      lg
      Wolfgang

    • Star spangled banner...

      So sollte es sein, der erste Bourbon war fällig. Nicht das Japaner mich nicht reizen würden, aber Bourbon ist immer noch eine günstige Art mal über den Tellerrand, bzw Ozean zu schauen.
      Und eigentlich gab es mehr als einen Grund...
      Ich hatte mal den "legendären" Jack Daniels gekostet. Und in der Tat, der kam mir sehr parfümiert und wiederlich vor (Sorry Jack)
      In Jugendtagen war meine Jugensünde oft Four Roses Kentucky Straight Bourbon, als Sour oder mit Ginger Ale. Mein Geschmacksgedächtnis sagt, es war lecker.
      Jetzt wollte ich einen ordentlichen, nicht zu teuren Whisky aus USA testen. Und da fiel mein Auge auf den guten alten Makers Mark.
      Und das aus mehreren Gründen. Und damit meine ich jetzt nicht die alberne Wachskappe, unter der sich am Ende nur ein billiger Schraubverschluß verbirgt.
      Auch nicht die Marketing-Kampagne, die verspricht, das der Whisky so Handmade und traditionell ist, das Oma im Schuppen noch den Leimpinsel schwingt, um die Etiketten aufzukleben.
      Nein, es gab andere wichtige Merkmale:
      1. Das Zeug schreibt sich ohne "e".
      2. > 40%
      3. Makers Mark mach recht konkrete Angaben zum Verhältins der verwendeten Getreidesorten.
      4. Für etwas über 20€ günstig und trotzdem hört man, dass die Qualität, bzw der Geschmack, recht ordentlich ist.
      5. Laphroaig verwendet die alten Makers Mark Fässer.

      Und wie schmeckt der AMI nun? :?:

      Tja, das parfümierte, und auch dieser oft erwähnte "Klebergeruch" sind da. Die 43% verleihen dem Knaben einen ordentlichen Bumms. Der Alkohol ist also nicht wie bei einem guten Malt, wie man so schön sagt, gut eingebunden. Nö, der knallt mitten ins Gesicht. Aber dazu entfalten sich durchaus schöne Vanillearomen, etwas Eichenbitterkeit usw.
      Als ganz ehrlich, für das Geld ein lecker Feierabendstöffchen. !==
      Aber!!!
      Muss es denn nun wirklich Bourbon sein? :?: Auch wenn ich mich wiederhole: Es gibt so viele Single Malts, die ich noch nicht getrunken habe, es gibt soviele, die ich nie schaffen werde, zu trinken...
      Ne, mal echt. :| Ich bin fast zufällig beim Scotch Single Malt gelandet, und genau das was der hat, schmeckt mir. Da bleibe ich lieber häuslich und in Schottland :sch: Auch meine Leber hat nur begrenzte Kapazitäten.
      Klar, in einer Bar würde ich sicher den guten Bourbon einem schlechten schottischen Blend vorziehen, aber zu Hause bleibt weiß/blau (nein, nicht kariert).
      Der Besuch auf der anderen großen Insel war trotzdem Klasse: Der Makers Mark schmeckt, ich habe meinen Horizont erweitert, und ich weiß wie das Zeug so ist, das zuerst in den Laphroaig Fässern war! :klatschen:
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    • Es geht auch billiger...

      Also mal ganz ernsthaft Leute: Worin steckt eigentlich der Sinn, sich ständig dieses sündhaft teure Single Malt Zeuch in den Rachen zu kippen.
      'Ne Palette Hansa Pils dröhnt auch, ist billiger und spült die Nieren besser.
      Oder einfach mal eine schöne Buddel Racke Rauchzart, auch Whisky, rauchig und knallt schön.
      Stattdessen immer das sauer verdiente Geld für dies teure Zeug aus Schottland rauszuhauen...
      Wo steckt da der Sinn?

      Es gibt da einen bekannten Fernsehkoch, der immer bei super Essen von "Gaumensex" redet.
      Ist es dass? Orale Ersatzbefriedigung?
      Nee, ehrlich, ich persönlich finde diese Sex-Vergleiche total abgedroschen. Sex ist Sex und Schnaps ist Schnaps.

      Aber als Neuling in der Szene frage ich mich schon, wenn ich da in meine bescheidene Hausbar gucke, was verdammt nochmal mich die letzten Monate geritten hat.
      Für den Profi mag es lächerich klingen, aber ich stehe hier vor gut neun angebrochenen Single Malt Flaschen, ertappe mich dabei, wie ich angestrengt grübele, was mir gerade jetzt zu meinem Glück in dieser Sammlung noch fehlt.
      Rational betrachtet gar nichts! Aber der süchtige Genießer in mir will natürlich mehr.
      Und mal so unter uns: Wie klingt das im Bekanntenkreis, wenn ich eine Spirituose als Hobby bezeichne? Zukünftiger Korsakow Patient?

      Es gibt einen ganz einfachen Weg diesen inneren Zweifler in mir zum Schweigen zu bringen: Flasche auf, ein Dram einschenken und erstmal die Nase ins Glas stecken.
      Single Malt ist die perfekte Droge. Der Vernünftige in mir sagt: Sauf nicht zuviel, dafür ist der Stoff zu teuer. Der Genießer klingt ähnlich, weil mit dem Suff die Fähigkeit all die Aromen zu genießen sinkt.

      Im Altag erleben wir Menschen unsere Umwelt überwiegend mit den Augen.
      Sich aber für den Genuß mal ganz auf Nase und Geschmackssinn zu konzentrieren ist schon was besonderes. Wir trainieren da Sinne, die in der hektischen Alltagswelt vernachlässigt werden.
      Whisky kanalisiert und entschleunigt.
      Und mal ernsthaft auch die "berauschende" Wirkung kann schön sein. Den schlechter Fusel macht dumpf, hochgeistiges in Richtigen Dosen regt durchaus an.

      Whisky ist eine eigene Welt. Unser "Auenland" in das wir wunderbar zur Entspannung eintauchen können. Uns nach einem erfolgreichen und anstrengendem Tag selbst belohnen, oder einfach mal so kurz aus der normalen Welt abtauchen können.

      Und egal welches Hobby es ist, jeder der seinen Spleen mit einer großen Portion Enthusiasmus lebt, wird für nicht Eingeweihte auch immer ein bißchen zum Freak.
      All we ever wanted was everything
      All we ever got was cold
      Bauhaus
    • Dogmatiker vs. Pragmatiker

      Je mehr ich in die Welt des Whiskys eintauche, um so mehr sehe ich mich mit Meinungen großer Grundsätze konfrontiert.
      "NAS Whisky trinke ich grundsätzlich nicht."
      "Kühlgefilterter Whisky kommt mir nicht ins Haus."
      "Niemals was mit Zuckercouleur."
      "Kein Wood Finish"
      "Kein Whisky unter 10 Jahren"
      usw. usw.
      Die Liste könnte man endlos weiter führen...
      Auch ein grundsätzliches Übel unseres Kommunikationsstiles. Wir sind gewöhnt, eher zu sagen, was uns nicht gefällt, als in positiven Botschaften zu verhandeln.

      Aber mal grundsätzlich: Whisky ist ein recht naturbelassenes Produkt. Trotzdem, und das ist das faszinierende, ist er unglaublich Facettenreich.
      Ok, es gibt Dinge, die braucht man wirklich nicht: Zuckercouleur und Kältefiltration. Denn das macht definitiv aus einem guten keinen besseren Whisky. Aber es macht aus einem sehr guten eben auch keinen schlechten.
      NAS, schon irgendwie doof, dass einigen Destillen scheinbar der alte Stoff ausgeht und andere gar nicht erst großen Wert darauf legen den Whisky alt werden zu lassen.
      Richtig schlimm finde ich, wenn Whiskys ohne Altersangabe mit wilden Phantasienamen und großem Marketingtamtam so aufgeblasen werden, dass sie dann zu Mondpreisen in den Handel kommen und, man möge mir verzeihen, es auch noch genügend Deppen gibt, die dieses Spiel mitmachen und das Zeuch kaufen. Ich gebe zu provokant, aber eben eine, nämlich meine Meinung.
      Andere NAS Whiskys klingen gut und sind für mich ok.
      Z.B: Auchentoshan Three Wood. Gereift in dreierlei Fässer, nicht mehr und nicht weniger, aber eben lecker.
      Oder (ich komme nicht los von dem Zeug): Laphroaig Quarter Cask. Der Name sagt, was drin ist.
      Beide Whiskys recht bezahlbar. Ich finde sie lecker, und mit Verlaub, nicht alles was alt ist muss auch gut schmecken.

      Man merkt's. Ich bin kein Prinzipienreiter und tendiere eher in das Lager Pragmatiker: Hauptsache es schmeckt!
      Und ich würde mich nicht von gutem Stoff vernhalten lassen, nur weil ich mich selbst beschränke.

      Aber einen Punkt gibt es dann noch, und dann geht es um guten ehrlichen Geschmackt. Whisky mit nur 40% kommt mir manchmal etwas eindimensional vor und verliert sich auch gern noch in angebrochener Flasche. Aber dass nur am Rande bemerkt....
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