Alter Whisky = besser?

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    • Ben Nevis schrieb:

      Nach nunmehr über 20 Jahren Beschäftigung mit der Materie habe ich für mich 2 Grundregeln festgestellt :
      1. Es gibt guten, jungen Whisky, sowie schlechten, alten Whisky. Und ebenso gibt es das jeweilige Gegenteil. Weil :
      2. Es immer der persönliche, subjektive Geschmack ist, der bei der Beurteilung zählt. Und nicht der von irgendwelchen anderen Menschen.
      Jeder Mensch ist einzigartig. Und damit auch sein jeweiliger Geschmack.
      Sehe ich auch so Jens,

      möchte aber mein persönliches Geschmacksprofil mit einbringen. Bei den rüstigen Alten fand ich mehr die mir zur Nase standen, dagegen bei den jungen Wilden öfters welche wo sich Geschmack und Nase nicht mit Vorankündigung und Preis deckten. Die beste Gegenüberstellung hatte ich jedenfalls (und nach dem Naserümpfen und Kommentar abgeben) mein Wiskyclub mit einem JW Red Lable ..... einem aktuellen und einem der ein Abfülldatum von weit vor 20 Jahren hatte. Da wurde der rüstige Alte mit Abstand gelobt. Das Geschäft mag zwar leichter geworden sein aber durch die schiere Masse der Abfüllungen bleibt leider wohl auch manchmal die Qualität auf der Strecke.
      Grüße

      Heinz

      "Wenn Dir eine Taube auf den Kopf sch**** dann freu Dich, dass Kühe nicht fliegen können."
      "Ohne Gaudi is ois nix!" (Fredl Fesl)
    • Das mit dem Red Label kann ich absolut bestätigen. Bei mir war es der in den 60ern abgefüllte, wo der Man noch anders herum lief. Hatte auch reichlich irritiert mein Glas begutachtet... Sehr guter Blend von JW.
      Gruß,
      Callaman

      Suche: Scotch Malt Whisky Society 64.79
    • Der bessere Whisky ist dem guten sein tot...
      Das mal eben kurz und dämlich formuliert.

      Wenn ich in meinem noch kurzen Whiskyleben eins gelernt habe, dann dass es kaum Wahrheiten in solchen Grundsätzen gibt und die Vielfalt regiert.
      Da kann es schon mal sein, dass der preiswerte NAS Whisky genau so schön mundet, wie die 40 Jare alte Wertanlage.
      Gut ist was schmeckt, Punkt.
      All we ever wanted was everything
      All we ever got was cold
      Bauhaus
    • Hm, pauschal kann man nicht sagen, das 40 Jahre Fasslagererung den Whisky automatisch besser machen. Wie schon geschrieben wurde, ist das eine rein subjektive Geschmackswahrnehmung und höchst individuell. Aus persönlicher Sicht muss ich sagen, das mir bei Islay-Rauchern die jüngeren Abfüllungen( bis 15 jahre) meist besser gefallen. Bei Bourbonfassgelagerten Whisky sind mir oft die über 20 Jahre lieber, weil hier die typischen Aromen einfach besser mit dem Destillat verwoben sind. Bei Weinfasslagerungen bewege ich mich eher so zwischen 15 Jahren und 25 Jahren. Ich könnte also nicht pauschal sagen, das ein älterer Whisky besser ist.
    • Nosferatu68 schrieb:

      Bei Bourbonfassgelagerten Whisky sind mir oft die über 20 Jahre lieber, weil hier die typischen Aromen einfach besser mit dem Destillat verwoben sind.
      Gut, dass das auch mal jemand anderes sagt. Dann bilde ich mir das wahrscheinlich nicht nur ein.
      "There are two things a Highlander likes naked, and one of them is malt whisky."
    • HarryB schrieb:

      Nosferatu68 schrieb:

      Bei Bourbonfassgelagerten Whisky sind mir oft die über 20 Jahre lieber, weil hier die typischen Aromen einfach besser mit dem Destillat verwoben sind.
      Gut, dass das auch mal jemand anderes sagt. Dann bilde ich mir das wahrscheinlich nicht nur ein.
      :D Irgendwann muss ich ja auch was Sinnvolles von mir geben ausser FT's und Flaschenverkäufe. Ne, mal im Ernst; es ist doch wirklich so, das beim Bourbonfassgelagerten die Vanille und Karamellnoten erst so richtig da sind, wenn er länger im Fass gereift ist. Ausnahmen gibts natürlich schon wie den Balvenie Single Barrel Bourbon 15 Jahre ;)
    • Der Glenrothes 6y von adelphi war ne absolute Wuchtbrumme. :thumbsup:

      Ansonsten denke ich, gerade die alten Blends können richtig was.

      Aber, wie oben erwähnt, Geschmäcker sind verschieden - gut so.
      Ich bin ein Blauer

      Je größer der Dachschaden, um so freier ist der Blick in die Sterne.
    • Das mit dem lange gelagerten Whisky ist ja eine Sache und zwar genau die, worauf der Artikel abzielte. Das funktioniert natürlich nur, wenn man entsprechend gute Fässer hat. Ansonsten liegt der optimale Reifepunkt eben deutlich unter 40 Jahren, aber das wurde ja bereits mehrfach erwähnt.

      Die andere Sache ist, dass es noch andere Faktoren gibt, warum der Whisky - auch wenn er ähnlich gelagert ist, wie früher - nicht mehr so schmeckt, wie früher.

      Blends
      Der jeweilige Masterblender hat sich keine Gedanken darum gemacht, ob das Fass, dass er nun als Zutat für einen Blend in Betracht zieht, schon seit 30 Jahren lagert und möglicherweise in einem Single Malt oder als Einzelfassabfüllung besser aufgehoben ist. Wenn das Fass zu seiner Vorstellung des Blends gepasst hat, hat er es reingekippt, So what? Es gibt ja genügend andere alte Fässer in derselben Qualität. ...und genau das ist heute nicht mehr so. Das bedeutet am Ende, dass Blends in der Tendenz einen jüngeren Altersschnitt haben, als das früher der Fall war.

      Dasselbe gilt natürlich auch für Single Malts. Denn zumindest bei Standardabfüllungen werden ja viele Fässer zusammen geschüttet. Wenn ein 12 Jahre alter Single Mals früher einen Altersschnitt von vielleicht 15 oder sogar 20 Jahren hatte, so hat er heute vielleicht einen Altersschnitt von 12,5 - 13 Jahren.

      Industrialisierung
      Hier gibt es gleich mehrere Faktoren, die eine nicht unwichtige Rolle spielen. Eigenproduktion von Malz vs. eingekauftes Malz; Feuer unter der Brennblase oder Erhitzen mittels Dampfspiralen; Optimierung der einzelnen Produktionsschritte auf den Faktor Zeit, so dass zum Beispiel die Maische exakt 23 h im Mash Tun verbleibt und nicht mehr wie früher zwischen 25 h und 48 h; usw. usf. Im Übrigen haben manche ältere Abfüllungen, auch wenn sie nicht aus Islay kommen, einen gewissen Rauchanteil. Was daran liegt, dass Torf günstiger war als Holz und das Malz einer Speyside oder Highland Destillerie zumindest teilweise über Torffeuer gedarrt wurde.

      Vermutlich ist das alles der Grund, warum Whiskies aus kleineren Destillerien, die tatsächlich mehr selbst machen, als größere, besser bzw. interessanter ist, als Whiskies aus großen Destillerien, die einem Konzern angeschlossen sind.
      "There are two things a Highlander likes naked, and one of them is malt whisky."
    • Schöner Beitrag Harry :top:


      An die Fachleute dazu mal eine Frage....
      Ich bin immer davon ausgegangen, dass in den Blends der 1960er Jahre, sowie in den Standardabfüllungen (10yo / 12yo) vom Altersdurchschnitt in etwa das drin steckt, was auf dem Label steht, bzw bei Blends im Regelfall eben keine 30yo Fässer verwendet wurden.
      Grund für meine Annahme waren folgende Punkte :

      - Whiskyboom in den 1960er / 1970er Jahre
      Mitte der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre durchlebte die Whiskybranche ja schon einmal einen Boom. Natürlich nicht in dem Ausmaß, wie es der heutige, globalisierte Markt ermöglicht....aber dennoch groß genug, dass ich davon ausging, es wäre damals schon gängig gewesen gute, alte Whiskys nicht für zB Blends oder junge Standards zu verwenden.

      - Mangel an altem Whisky
      Kurz vor dem zweiten Weltkrieg, und währenddessen, haben die schottischen Brennereien ja nur sehr geringe Mengen oder auch gar nicht produziert. Entsprechend dürfte in den 1960er Jahren der Bestand an 20 bis 30 yo Whisky gewesen sein.


      Hat da jemand fundierteres Wissen, als meine Annahmen ?


      Gruß
      Andreas
      Alba gu bràth
    • Ich habe zwar kein fundiertes Wissen, aber dennoch eine Theorie dazu ;)

      In den 60ern und 70ern dürfte Blend wohl beliebter und bekannter gewesen sein, als wie Single Malt. Darum dürften wohl
      auch alte Fässer in Blends gewandert sein.

      Ist aber nur so ein Gedanke dabei ...
    • Nimrod77 schrieb:

      Von den Verkaufszahlen her ist Blend heute auch noch deutlich bekannter und gefragter als Single Malt....schmeckt (meistens) aber trotzdem nicht nach 30yo :D
      Jo, stimmt schon. Aber mit 30 Jahre altem SM kannst du heute richtig Geld verdienen. Ich glaube, damals war die Fangemeinde von SM einfach zu klein und
      deshalb sind wohl einige in Blends gewandert.
    • Ein Wort noch zum eigentlichen Topic;

      Auch ein 15 Jähriger Single Malt kann ehrliche 90 Punkte in der Base erreichen. Dafür muss er nicht 40 Jahre alt sein!
      Und wenn man das unter diesem Aspekt betrachtet und das PLV hinzuzieht, sind richtig alte Malts einfach zu teuer für
      das, was sie einem an geschmacklichen Zugewinn bringen können.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nosferatu68 ()

    • Nosferatu68 schrieb:

      Ein Wort noch zum eigentlichen Topic;

      Auch ein 15 Jähriger Single Malt kann ehrliche 90 Punkte in der Base erreichen. Dafür muss er nicht 40 Jahre alt sein!
      Und wenn man das unter diesem Aspekt betrachtet und das PLV hinzuzieht, sind richtig alte Malts einfach zu teuer für
      das, was sie einem an geschmacklichen Zugewinn bringen können.

      Bei der aktuellen Marktlage magst du recht haben, aber es gab ja auch schon Schätzen von über 30 Jahren, die um die 200 € gekostet haben. Nur werden wir uns dahin vermutlich nicht mehr bewegen, es sei denn die Blase fiele erneut zusammen und es gäbe wieder Destilleriesterben.
      "There are two things a Highlander likes naked, and one of them is malt whisky."
    • HarryB schrieb:

      Nosferatu68 schrieb:

      Ein Wort noch zum eigentlichen Topic;

      Auch ein 15 Jähriger Single Malt kann ehrliche 90 Punkte in der Base erreichen. Dafür muss er nicht 40 Jahre alt sein!
      Und wenn man das unter diesem Aspekt betrachtet und das PLV hinzuzieht, sind richtig alte Malts einfach zu teuer für
      das, was sie einem an geschmacklichen Zugewinn bringen können.
      Bei der aktuellen Marktlage magst du recht haben, aber es gab ja auch schon Schätzen von über 30 Jahren, die um die 200 € gekostet haben. Nur werden wir uns dahin vermutlich nicht mehr bewegen, es sei denn die Blase fiele erneut zusammen und es gäbe wieder Destilleriesterben.
      Unwahrscheinlich! Die Preise werden wohl so bleiben.

      @marcus2 Ne, bezüglich des PLV. Ab einem gewissen Fassalter steigen die Preise exorbitant und das PLV passt dann einfach nicht mehr.
    • Nosferatu68 schrieb:

      Ein Wort noch zum eigentlichen Topic;

      Auch ein 15 Jähriger Single Malt kann ehrliche 90 Punkte in der Base erreichen. Dafür muss er nicht 40 Jahre alt sein!
      Und wenn man das unter diesem Aspekt betrachtet und das PLV hinzuzieht, sind richtig alte Malts einfach zu teuer für
      das, was sie einem an geschmacklichen Zugewinn bringen können.
      Die Frage bei der Bewertung ist doch immer "woran" man misst. Wenn ich einen wirklich sehr guten Single Malt mit einem Alter von 14 Jahren im Glas habe....ist der dann 90 Punkte wert ?
      Gemessen an anderen gleich alten, nicht so guten Whiskys ? Sicherlich !
      Im Vergleich zu anderen sehr guten Whiskys, die etwas jünger sind ? Vielleicht...
      Im direkten Vergleich unter allen Whiskys die ich selber je probiert habe ? Bestimmt nicht.
      Um, ohne den Whisky im Glas zu haben, den Wert / Preis nach oben zu treiben ? Unbedingt 98 Punkte :D


      Das PLV bei älteren Single Malts ist meiner Beobachtung nach auch erst in den letzten 4 bis 5 Jahren in Schieflage geraten. Davor könnte man eigentlich viele Jahre lang, relativ alten Whisky (25-40 yo) für 100 bis 200 € erwerben.
      Die in dem Artikel beschriebene Erwartungshaltung "Älter sei besser" der Konsumenten, in Kombination mit der relativ geringen Verfügbarkeit, hat die Preise einfach drastisch steigen lassen.
      In wie weit da Preis und Leistung noch im Einklang sind entscheidet wohl jeder selbst. Sicherlich fällt es jemandem der erst seit 2 Jahren Whiskyliebhaber ist, deutlich leichter die Preise zu akzeptieren, als jemandem der 10 bis 20 Jahre lang zu konstant günstigen Preisen Whisky gekauft hat, und jetzt für die gleiche Qualität das x-fache bezahlen soll. ;)



      Gruß
      Andreas
      Alba gu bràth
    • Nimrod77 schrieb:

      In wie weit da Preis und Leistung noch im Einklang sind entscheidet wohl jeder selbst. Sicherlich fällt es jemandem der erst seit 2 Jahren Whiskyliebhaber ist, deutlich leichter die Preise zu akzeptieren, als jemandem der 10 bis 20 Jahre lang zu konstant günstigen Preisen Whisky gekauft hat, und jetzt für die gleiche Qualität das x-fache bezahlen soll. ;)

      Zumal unter den Neu-Interessierten eine nicht geringe Menge an Leuten sein dürfte, die aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage schlicht nicht wissen, wohin mit ihrer Kohle und gehört haben, das Whisky eine tolle Investition sein soll. Wie bei allen Themen, wo es um Kapitalinvestitionen geht, wird sich in wenigen Jahren herausstellen, dass es Gewinner und Verlierer gibt. In diesem Fall haben die Verlierer aber möglicherweise wenigstens noch etwas nettes zu Trinken.
      "There are two things a Highlander likes naked, and one of them is malt whisky."
    • HarryB schrieb:

      Blends
      Der jeweilige Masterblender hat sich keine Gedanken darum gemacht, ob das Fass, dass er nun als Zutat für einen Blend in Betracht zieht, schon seit 30 Jahren lagert und möglicherweise in einem Single Malt oder als Einzelfassabfüllung besser aufgehoben ist. Wenn das Fass zu seiner Vorstellung des Blends gepasst hat, hat er es reingekippt, So what? Es gibt ja genügend andere alte Fässer in derselben Qualität. ...und genau das ist heute nicht mehr so. Das bedeutet am Ende, dass Blends in der Tendenz einen jüngeren Altersschnitt haben, als das früher der Fall war.

      Dasselbe gilt natürlich auch für Single Malts. Denn zumindest bei Standardabfüllungen werden ja viele Fässer zusammen geschüttet. Wenn ein 12 Jahre alter Single Mals früher einen Altersschnitt von vielleicht 15 oder sogar 20 Jahren hatte, so hat er heute vielleicht einen Altersschnitt von 12,5 - 13 Jahren.

      Es ist schlichtweg so gut wie kein Whisky mehr mit Alter (über 12) in den Lagerhäusern. Die gesamten Single Malt Brennereien wurden überrannt durch den Boom. Das ist auch der Grund, warum z.B. die Preise von Nikka (Yoichi, Miyagikyo) so durch die Decke schießen. Nikka hat keinen Whisky mehr mit Alter in den Lagerhäusern, weshalb sie auch NAS umschwenken mussten. Ebenso sieht es bei den anderen und auch in Schottland aus. Ich finde gerade leider nicht die Grafik der SWA, aber der Bestand an Whisky mit 11yo und mehr singt seit 2009 stetig, hingegen vermehrt sich der Bestand von lagerndem Whisky mit 3 Jahren und mehr.

      Nun Whisky, mit Alter > 15yo in Blends verschwinden zu lassen, wäre rein ökonimisch betrachtet nicht sinnvoll, da Single Malt gerade höchstpreise erzielt. Die eigenen Standards damit anzureichern geht aber auch nicht, da nicht genügend vorhanden ist. Also machen "wir" NAS.

      Das Wood Management ist derzeit so "gut", dass man auch jungem Whisky ein Touch von Alter verleihen. Zumal zum Einen der verwendete Sherry mittlerweile schon älter als der darin lagernde Whisky ist und zum anderen wird den Sherry nicht weiter zum trinken benötigt. D.h. ich kann mein First Fill Sherry Fass mit dem Sherry, der für max. 6 Monate (eher 3 Monate) im Fass sitzt, der Art aufladen, dass mein Single Malt tief dunkel wird und jede Menge Sherry-Aromen transportiert. Für die Vielzahl der Single Malt Trinker spielt hier Alter dann keine so große Rolle mehr.

      HarryB schrieb:

      Industrialisierung
      Hier gibt es gleich mehrere Faktoren, die eine nicht unwichtige Rolle spielen. Eigenproduktion von Malz vs. eingekauftes Malz; Feuer unter der Brennblase oder Erhitzen mittels Dampfspiralen; Optimierung der einzelnen Produktionsschritte auf den Faktor Zeit, so dass zum Beispiel die Maische exakt 23 h im Mash Tun verbleibt und nicht mehr wie früher zwischen 25 h und 48 h; usw. usf. Im Übrigen haben manche ältere Abfüllungen, auch wenn sie nicht aus Islay kommen, einen gewissen Rauchanteil. Was daran liegt, dass Torf günstiger war als Holz und das Malz einer Speyside oder Highland Destillerie zumindest teilweise über Torffeuer gedarrt wurde.

      Vermutlich ist das alles der Grund, warum Whiskies aus kleineren Destillerien, die tatsächlich mehr selbst machen, als größere, besser bzw. interessanter ist, als Whiskies aus großen Destillerien, die einem Konzern angeschlossen sind.

      Der Gedanke ist nachvollziehbar, aber würde ich ihn so nicht teilen. Man betrachte Glenfiddich, die produzieren, das die Hütte qualmt und machen dabei qualitativ hochwertigen Malt Whisky. Ebenso Caol Ila. Seit jeher äußerst unromantisch was die Herstellung angeht, aber seit Jahrzehnten guter Malt Whisky in allen Altersstufen.

      Nimrod77 schrieb:

      An die Fachleute dazu mal eine Frage....
      Ich bin immer davon ausgegangen, dass in den Blends der 1960er Jahre, sowie in den Standardabfüllungen (10yo / 12yo) vom Altersdurchschnitt in etwa das drin steckt, was auf dem Label steht, bzw bei Blends im Regelfall eben keine 30yo Fässer verwendet wurden.
      Grund für meine Annahme waren folgende Punkte :

      - Whiskyboom in den 1960er / 1970er Jahre
      Mitte der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre durchlebte die Whiskybranche ja schon einmal einen Boom. Natürlich nicht in dem Ausmaß, wie es der heutige, globalisierte Markt ermöglicht....aber dennoch groß genug, dass ich davon ausging, es wäre damals schon gängig gewesen gute, alte Whiskys nicht für zB Blends oder junge Standards zu verwenden.

      - Mangel an altem Whisky
      Kurz vor dem zweiten Weltkrieg, und währenddessen, haben die schottischen Brennereien ja nur sehr geringe Mengen oder auch gar nicht produziert. Entsprechend dürfte in den 1960er Jahren der Bestand an 20 bis 30 yo Whisky gewesen sein.


      Hat da jemand fundierteres Wissen, als meine Annahmen ?

      Das würde ich ebenfalls annehmen. Mit Sicherheit ist es früher nicht so ins Gewicht gefallen, mal ein 20yo und älteres Fass zu verschneiden, aber die meisten Blends hatten ja auch damals kein Alter (glaube ich). Von den gut gefüllten Stocks der vergangenen Jahrzehnte konnten wir ja auch bis vor ein paar Jahren gut profitieren. Dank der UAs wurden diese in Vielzahl auf Flaschen gezogen und als Single Malts abgefüllt.

      Das in den 50er bis 70er Jahre nicht ausreichend Whisky mit hohem Alter, also jenseits der 30 Jahre, verfügbar war, könnte man vielleicht daran sehen, dass Single Malt Whiskys, die zu dieser abgefüllt wurden i.d.R. nicht so ein hohes Alter hatten. Ich glaube hier nicht, dass das alles bereits ausgetrunken ist. Also konnte auch Blends kein hohes Alter aufweisen bzw. Fässer verschnitten werden. Zudem waren und sind möglicherweise die Aromen, die gereifte Ware mit sich bringt, nicht massenkompatibel.


      Nosferatu68 schrieb:

      Ein Wort noch zum eigentlichen Topic;

      Auch ein 15 Jähriger Single Malt kann ehrliche 90 Punkte in der Base erreichen. Dafür muss er nicht 40 Jahre alt sein!
      Und wenn man das unter diesem Aspekt betrachtet und das PLV hinzuzieht, sind richtig alte Malts einfach zu teuer für
      das, was sie einem an geschmacklichen Zugewinn bringen können.
      Keine Frage. Alter und Farbe haben objektiv gar nichts mit Qualität zu tun. Aber ein PLV an einem Luxusgut wie Whisky anzusetzen, halte ich für äußerst schwierig.
      Es gibt einige sündhaft teure Whiskys, bei denen man weiche Knie und Pipi in den Augen bekommt. Die können wirklich jeden Cent wert sein. Gleichzeitig gibt es sehr teure Ware, die würde man noch nicht mal geschenkt haben wollen. Gerade im Moment, wo die Preise durch die turbulente Nachfrage enorm in Schieflage gekommen sind, wird es immer schwieriger ein PLV anzusetzen. Es ist manchmal nur das Quäntchen, das ein Malt besser ist, als ein anderer, aber erheblich mehr kostet. Hier muss dann jeder für sich entscheiden, ist mit das Quäntchen mehr es wert... Das nun aber rational in ein PLV zu drücken fällt schwer.

      Hier mal aktuelle Zahlen der SWA, was an LPAs exportiert wurde. Es sind nur 9% Single Malt dabei.

      whisky-export-2015.jpg
      Gruß,
      Callaman

      Suche: Scotch Malt Whisky Society 64.79
    • Ich habe im übrigen etwas via Google recherchiert.....
      Zwischen den beiden Weltkriegen wurde (zumindest offiziell), auch bedingt durch die Prohibition in den USA, relativ wenig Single Malt produziert. Von 1939 bis 1953 war die Whiskyherstellung per Erlass in UK ausgesetzt, so das "offiziell" wieder ab 1954 produziert wurde.
      In Werbesnzeigen aus Anfang der 1960er Jahre wurde damit geworben, dass man die Qualität eines Whiskys (Blend) an den bis zu 7 Jahren Reifung im Holzfass erkennen würde.
      Ab Mitte der 1960er Jahre wurde zum ersten Mal gezielt, Single Malt beworben (damals Glenfiddich und Glen Grant), was eine schnell wachsende Nachfrage in diesem Segment zur Folge hatte.


      Insgesamt klingt das für mich nicht so als hätte es damals in großen Mengen alten Whisky gegeben, den man hätte für die Blendproduktion heranziehen können.
      Wenn man die Schwarzbrennerei außen vor lässt, wurde zwischen 1914 und 1953 wohl in eher geringen Mengen produziert. Möglich das es da auch mal was älteres gab, das im Blend gelandet ist.....aber grundlegend scheinen Blends aus den 1960er Jahren wohl Whiskys mit 7 bis 12 yo enthalten zu haben.
      Soweit ich das richtig in Erinnerung habe, wurde aber damals größtenteils auf Grainwhisky bei der Blendherstellung verzichtet.....was auch ein Grund für die "bessere" Qualität alter Blends sein könnte.


      Gruß
      Andreas
      Alba gu bràth
    • Callaman schrieb:

      HarryB schrieb:

      Industrialisierung
      Hier gibt es gleich mehrere Faktoren, die eine nicht unwichtige Rolle spielen. Eigenproduktion von Malz vs. eingekauftes Malz; Feuer unter der Brennblase oder Erhitzen mittels Dampfspiralen; Optimierung der einzelnen Produktionsschritte auf den Faktor Zeit, so dass zum Beispiel die Maische exakt 23 h im Mash Tun verbleibt und nicht mehr wie früher zwischen 25 h und 48 h; usw. usf. Im Übrigen haben manche ältere Abfüllungen, auch wenn sie nicht aus Islay kommen, einen gewissen Rauchanteil. Was daran liegt, dass Torf günstiger war als Holz und das Malz einer Speyside oder Highland Destillerie zumindest teilweise über Torffeuer gedarrt wurde.

      Vermutlich ist das alles der Grund, warum Whiskies aus kleineren Destillerien, die tatsächlich mehr selbst machen, als größere, besser bzw. interessanter ist, als Whiskies aus großen Destillerien, die einem Konzern angeschlossen sind.
      Der Gedanke ist nachvollziehbar, aber würde ich ihn so nicht teilen. Man betrachte Glenfiddich, die produzieren, das die Hütte qualmt und machen dabei qualitativ hochwertigen Malt Whisky. Ebenso Caol Ila. Seit jeher äußerst unromantisch was die Herstellung angeht, aber seit Jahrzehnten guter Malt Whisky in allen Altersstufen.

      Bitte beachten, dass ich hier "interessanter" für den wichtigeren Faktor als "besser" finde. "Besser" ist ja sowieso sehr subjektiv. Ich will gar nicht bezweifeln, dass in großen Destillerien sauber und gut produzierter Whisky entsteht. Vermutlich sogar in konstant gleichbleibender Qualität. Auch das ist ja ein sehr positiver Faktor. Was ich meinte ist, dass die zehnte Flasche eines soliden Whisky vielleicht nicht mehr so interessant ist, wie die erste, die exakt genauso schmeckte. Was mich - und einige andere - am Whisky fasziniert, ist ja gerade die Vielfalt und Komplexität, die möglich ist. Weniger eine möglichst hohe Konstanz, selbst wenn sie auf einem hohen Niveau ist.
      "There are two things a Highlander likes naked, and one of them is malt whisky."
    • Okay, einigen wir uns auf "Schieflage" und lassen "PLV" weg. Ist durchaus sinnvoller, diese Begrifflichkeit zu verwenden. Es stimmt schon, das es bei einem Luxusgut schwierig ist, von einem Preis-Leistungsverhältnis zu sprechen. Irgendwie muss man aber rein subjektiv für sich selbst festlegen, wo der Spass für einen selbst aufhört. Und wenn man vom Quäntchen spricht; dafür 50% mehr zu zahlen ist für mich einfach heavy.
      Ich bin jetzt sogar so weit gegangen, das ich meine Schmerzgrenze von 400€ die Pulle auf 150€ die Pulle heruntergeschraubt habe. Ich will dieses Spielchen einfach nicht mehr mitmachen. Hauptsache limitiert, Marketing Brimborium usw. geht mir mittlerweile gehörig auf den Geist. Klar, solange es Kunden gibt, die jeden Preis bezahlen, wird sich nichts ändern.
    • Ist doch vom Prinzip her ganz einfach
      Die Masse der käuflich zu erwerbenden Whiskys interessieren mich nicht und der Rest ist mir persönlich zu teuer!
      Friend Of Laphroaig, Ardbeg Committee, Member Of The North Star Crew,
      Kilchoman Club Member, Friend Of The Classic Malts, Bowmore´s Inner Core
    • Das heißt zumindest, dass mein Flaschenimperium nicht großartig anwächst.
      Zum probieren des ein oder anderen kostspieligen Samples reicht es noch.
      Wie viele Flaschen sollen den noch bevorratet werden?! Viel geleert wird doch von uns Genießern eher nicht. Natürlich neigen wir durchaus emotional getrieben dazu gar Standardflaschen zu horten und da nehme ich mich gar nicht aus.

      Schmecken alte Whiskys besser? Zumindest ist der nostalgische Reiz jene zu besitzen größer.
      Friend Of Laphroaig, Ardbeg Committee, Member Of The North Star Crew,
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