Irr(e)wege - Eine Radreise durch Schottland

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    • Schöner Bericht.

      Nimrod77 schrieb:

      Ok, wir können die Fahrräder in die Kofferablage packen, wenn wir das selber bewerkstelligen, und ihm versichern das er nicht für Schäden an den Fahrrädern haftbar gemacht wird.
      Der Satz kommt mir bekannt vor. Erinnert mich an eine Situation vor einigen Jahren als ich mit meinem Rad mit abgebrochenem Umwerfer auf der Bielerhöhe stand.

      Ansonsten scheint ihr doch Opfer so ziemlich aller Unwegbarkeiten mit denen man bei Radfahrten rechenen muss aber hofft dass es nicht zutrifft gewesen zu sein (ausser ein schwerer Sturtz, ich hoffe das kommt nicht nocht bei dem Spinn Off).
    • Ein wunderbarer Reisebericht, der Lust auf mehr macht! Lust auf mehr Schottland, mehr Whisky, mehr Freunde, .... und, ja, auch auf mehr Komfort bei der Reise. ;)

      Vielen Dank für's Teilen Deiner Eindrücke und den lebhaften, sehr gut geschriebenen und persönlichen Bericht. :top:

      Gruß, Nils
      There are two things best taken naked, and one of them is whisky.
    • Der Bus rollt also in Richtung Glasgow....und rollt, und rollt, und rollt. Genauer gesagt rollt er gute 3,5 Stunden, aber das ist uns egal. Es zählt einzig und allein, dass wir mit Gepäck und Fahrrädern an Bord sind.
      Rückblickend ist es schwer zu sagen, ob die vorbeiziehende Landschaft wirklich so schön war, oder ob sich da einfach das Glück doch von Kennacraig weggekommen zu sein mit den Impressionen der Busfahrt vermischt hat.
      Ist eigentlich auch wumpe, denn landschaftlich ist Schottland fast immer schön.
      Im Laufe der Fahrt werden die Berghänge flacher, die Berge an sich kleiner, und man merkt quasi wie man in urbanes Gebiet kommt. Mehr Häuser, mehr Verkehr....das haben wir jetzt so 12 Tage nicht mehr erlebt, und ehrlich gesagt hat es mir auch nicht wirklich gefehlt.
      Irgendwann durchquert der Bus die Vororte Glasgows, und man fühlt sich dann doch wieder ein wenig wie zuhause im Ruhrpott - nur das eben alle auf der falschen Seite der Straße fahren. ;)

      Irgendwann kommen wir dann doch am Busbahnhof in Glasgow an, und diese Einrichtung ist mal gar nicht so klein.
      Wir friemeln unsere Fahrräder aus dem Kofferfach und bedanken uns beim Busfahrer. Ich hab echt keine Idee was wir gemacht hätten, wenn der Bus uns in Kennacraig hätte stehen lassen.

      Bene ist als erster draußen vor dem Gelände des Busbahnhofs, und fragt direkt den ersten Passanten nach dem Weg zum Bahnhof. Ich bekomme nur die letzten Wortfetzen der Unterhaltung mit, aber ich meine “Central Station“ mitbekommen zu haben. Schnell eingreifen und klarstellen, dass wir den Weg zur Queen Street Station benötigen. Ach, das gibt hier zwei Bahnhöfe ? Ja, exakt.

      Schnell noch ein Ticket kaufen (bei 3 Personen gilt man tatsächlich als Gruppe, und zahlt exakt den identischen Preis wie für 2 Personen) und ab in den Bahnhof.
      Es ist insgesamt sehr beruhigend zu sehen, dass alle 15 Minuten ein Zug nach Edinburgh fährt...was soll jetzt noch großartig passieren.
      Wir versuchen unser Ticket durch das Lesegerät am Drehkreuz am Zugang zu den Gleisen zu ziehen. Dabei das Fahrrad mit der anderen Hand führend und mit Gepäck, klappt dieser Vorgang eher “geht so“. Insgesamt sieht das Schauspiel wohl so behindert aus, dass ein Bahnmitarbeiter herbei eilt. Sehr freundlich und hilfsbereit, hilft er uns durch den Zugang. Er sagt uns noch schnell wo etwa der Wagon mit den Fahrradstellplätzen halten wird, und erinnert uns daran das Ticket für den Schaffner an Bord bereitzuhalten. Logo, wir sind ja nicht blöd.

      Zug kommt, wir stellen unsere Fahrräder vor ein schon dort geparktes Rennrad im Wagon, setzen uns, und schwupp rollt der Zug nach Edinburgh.
      Der Schaffner kommt, kontrolliert das Ticket, und erklärt uns kurz das dort eigentlich nur insgesamt 3 Fahrräder stehen dürften - nicht 4.
      zum Glück ist der Typ relativ entspannt, und irgendwie kommt man ins Gespräch. Wir berichten recht knapp von unserer Tour, und die 50 Minuten bis Edinburgh verfliegen regelrecht.

      Vom Schaffner verabschiedet, raus aus dem Zug...fast am Ziel.
      Der Zug hat an einem Bahnsteig ein gutes Stück vor dem eigentlichen Bahnhof gehalten, und wir schieben so gut 3 oder 4 Minuten die Fahrräder, ehe wir am eigentlich Hauptteil des Bahnhofs sind.
      Oha, da sind wieder diese Drehkreuze....gib mal das Ticket.
      Ähm, das liegt im Zug. Ich dachte wir brauchen das nicht mehr. Tolle Wurst.

      Scheppy sprintet den Bahnsteig entlang in Richtung Zug - vergeblich.
      Nun denn, winken wir einen Bahnbediensteten heran. Ein Herr in Uniform nähert sich, und Bene erläutert unseren Fauxpas. Der Bahnmitarbeiter ist sehr sachlich und freundlich, aber auch nicht verhandlungsbereit. Kein Ticket, kein Ausgang.
      Am Gesprächston merken wir, wie sich vor Benes geistigen Auge der Bahnmitarbeiter in einen Mitarbeiter der CalMac Fährgesellschaft verwandelt...DAS könnte jetzt unschön werden.
      Scheppy und ich mischen uns in das Gespräch ein, denn verbale und körperliche Aggression könnte jetzt kontraproduktiv sein ;)
      Fairer Weise muss man schon zugeben - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, und wir sind für die Situation dann doch selber verantwortlich. Scheppy fällt ein, dass er das Ticket via Kreditkarte am Schalter bezahlt hat, und sucht nach der Quittung. Ah, da ist zumindest die Quittung. Damit können wir jetzt schon nachweisen, dass wir vor gut 60 Minuten ein Gruppenticket nach Edinburgh für 28 £ erworben haben. So ganz 100%ig zufrieden ist der Bahnmitarbeiter trotzdem noch nicht., und hält uns einen Vortrag, dass wir jetzt eigentlich am Automaten ein neues Ticket für 28 £ ziehen müssten, um den Gleisbereich verlassen zu dürfen.
      Mir geht kurz durch den Kopf, dass wir ja nicht so blöd wären ein neues 28 £ Ticket zu ziehen, sondern 3 x Kurzstrecke zu je 1,80 £. Wenn wir angeblich nicht nachweisen können, dass wir aus Glasgow kamen...dann wird er uns das ja umgekehrt auch nicht nachweisen können. ;)
      Ich überlege kurz, entscheide mich aber für ein demütiges Gesicht, anstelle einer Klugscheißerei.
      Mit einem “Ok guys, next time you bettet don‘t lose your tickets“, öffnet er uns den Durchgang.
      Zumindest wird uns dieser Fehler in Schottland nie wieder passieren...schön wenn man in fremden Ländern nützliche Dinge lernen kann.

      Ab auf die Räder, keine 10 Minuten bis zur Unterkunft. Nach wenigen Metern fällt uns aber ein gravierender Unterschied zu den letzten 12 Tagen auf....Fahrradfahren im Feierabendverkehr einer Großstadt war uns bis dato verwehrt geblieben.
      Ganz ehrlich ? Da geht einem der Arsch auf Grundeis. Busse Pkws, Motorräder, Fußgänger, mehrspurige Straßen und auch Kreisverkehre....das ist kein Vergleich zu dem doch recht einfach zu meisternden Linksverkehr auf dem Land.
      Wie gesagt war der Weg zum Glück relativ kurz, und wir sind sehr schnell am Adria House an der Royal Terrace.
      Geile Gegend, geile Lage, geile Unterkunft. Wir beziehen den “Familyroom“ mit insgesamt einem Doppel- und zwei Einzelbetten. Der ganze Spaß inkl gutem Badezimmer auf bescheidenen (geschätzt) 35-40 m2.
      Ich werfe mich aufs Bett, und frage mich was dieser Commodore wohl zu so einer Unterkunft sagen würde....
      Große, hohe Fenster mit Blick auf den kleinen Park, der sich auf der anderen Straßenseite entlang zieht, es könnte schlimmer sein.

      Nach 12 Tagen Haggis, Lachs, Steakpie, Eintöpfen, Jakobsmuscheln und Fleisch, Fleisch, Fleisch, war uns irgendwie nach einer Abwechslung, und wir landeten im nur 5 Gehminuten entfernen Khushis (indisch). Ein Restaurant das es seit 1947 gibt, kann nicht so schlecht sein.
      War es auch nicht. Es war in der Tat alles sehr, sehr lecker, und zusätzlich hatten wir an diesem Abend zum ersten Mal Kontakt mit dem BYOB System - Bring your own Bottle.
      Mangels verfügbarer Schanklizenzen in Edinburgh, bieten sehr viele Restaurants an, dass man seine alkoholischen Getränke mitbringt. Das Restaurant darf zwar keinen Alkohol verkaufen, sehr wohl aber dem Gast seinen selbst mitgebrachten
      Alkohol servieren. Insgesamt keine schlechte (Not)Lösung, denn so konnten wir uns noch schnell mit Craftbeer zum Abendessen eindecken.

      Der Abend klingt im Joseph Pearce‘s aus. Irgendwas zwischen Pub und Restaurant. Nett eingerichtet, diverse Biere frisch vom Fass....und überraschend viel schwedischer Whisky

      Noch ein Tag Edinburgh, bevor es zurück nach Newcastle geht....



      (to be continued)
      Alba gu bràth
    • Ihr habt auf jeden Fall ne Ausbildung im punkto:

      Ich laber dir:

      a) Kacke an's Ohr.
      b) ne Frikadelle an's Knie
      c) ne Klinke an Sack.

      :rofl:

      So also kommt Mann durch Schottland.
      Ich bin ein Blauer

      Je größer der Dachschaden, um so freier ist der Blick in die Sterne.
    • Vorletzter Tag. Wahnsinn wie schnell die Zeit verfliegt.

      Es soll ein richtig schöner Tag werden. Blauer Himmel, entsprechend viel Sonne, und sehr angenehme 19 bis 20 Grad.
      Wir verlassen zeitig nach dem Frühstück die Unterkunft, und während wir die etwa 10 Minuten zur Royal Mile gehen, teile ich uns entgegenkommende Passanten in Schotten und Nicht-Schotten ein.
      Die Einteilung fällt relativ einfach, denn bei 20 Grad und Sonne hat der durchschnittliche Schotte Hochsommer. Offensichtlich erträgt er diese Hitze nur in kurzer Hose und T-Shirt ;)

      Da ich schon einige Male in Edinburgh war, leite ich uns etwas durch die Gegend, und natürlich müssen die Jungs sich die Burg ansehen, die komplette Royal Mile, das Parlament, Grassmarket, die Bow Bar und, und, und.... ;)
      Was ich noch nicht mitgemacht hatte, ist die Tour bei Mary King’s Close - gar nicht so übel. Recht anschauliche und auch ganz nett präsentierte Führung....
      Am frühen Nachmittag gönnen wir uns einen schottischen Döner bei Oink, bevor es noch ein wenig Shopping gibt. Keiner von uns traut sich ernsthaft ohne Geschenk für seine Frau und / oder Freundin heimzukehren :D
      Was aus zeitlichen Gründen nicht mehr drin war, war das Nationalmuseum...nun gut, ich kenne das Museum ja schon ;)
      Da müssen Bene und Scheppy wohl nochmal nach Edinburgh...

      Stellt sich die Frage, was wir uns dann zum Abendessen gönnen werden...
      Auf den Vorschlag „türkisch“, kommt von mir ein „euer Ernst ?“
      Auf der anderen Seite, wo wenn nicht in Edinburgh kann man in Schottland ggf ein gutes türkisches Restaurant finden ?
      Bene kümmert sich, und findet bei Google ein Restaurant mit sehr guten Rezensionen. Er reserviert einen Tisch, und um 19 Uhr stehen wir vor dem Laden....ich muss lachen.
      Der Laden ist nach dem Stil einer Commodore Suite gestaltet. Vielleicht 3,5 bis 4 m breit, und höchstens 10 bis 11 m tief.
      Es finden 3 Tische für 2 Personen, und 3 Tische für 4 Personen Platz - that’s it.
      Der Chef des Hauses macht aber einen sehr freundlichen Eindruck, und tatsächlich sind auch (inklusive uns) 4 der 6 Tische belegt.
      Wir sitzen am Tisch, die Kellnerin schenkt uns unseren mitgebrachtes Cider ein, und wir überlegen was der Dame am Nachbartisch zugestoßen sein mag.
      Der Typ ihr gegenüber scheint ihr Freund zu sein, beide sind schon etwas angeheitert, aber das erklärt nicht, warum sie wie eine Hummel aussieht. Schwarze Legins, ein Rock aus glitzernden Fransen in Gold, dazu ein gestreiftes Oberteil mit schwarzen und gelben geometrischen Figuren....was soll das ?
      Generell ist uns in Edinburgh ein zum Teil sehr zweifelhafter Modegeschmack der jüngeren Bevölkerung aufgefallen...aber wir sind ja nicht (nur) zum Lästern hier ;)
      Die zahlreichen, tapasartigen Gerichte auf der Karte sagen uns nicht viel, also beschließen wir kurzerhand 3x das “Sultan Bankett“ zu bestellen. Insgesamt 13 verschiedene kalte und 4 warme Vorspeisen, sowie eine große Grillplatte und ein Dessert - 18 £ pro Nase, klingt fair.
      Der Chef des Hauses bringt uns zunächst etwas Brot, und weist darauf hin das die Speisen etwas dauern können, weil die Gerichte immer frisch zubereitet werden. Passt.
      Wir speisen wirklich feudal, und wirklich alle Gerichte sind absolut lecker.
      Ein wahrlich guter Start in den Abend.

      Da dies unser letzter Abend in Schottland ist, und auch nicht klar ist, wie wohl wir uns am nächsten Abend auf der Schiffsschaukel nach Amsterdam fühlen werden, gönnen wir uns nochmal ordentlich Bier, Wein, Gin und Whisky im schwedischen Pub vom Vorabend.
      Wenn ich mal zusammenrechne was wir die letzten 2 Wochen an Alkohol....ach, ist ja auch wumpe ;)

      Morgen geht es nach Newcastle....
      Alba gu bràth
    • Nimrod77 schrieb:

      Schwarze Legins, ein Rock aus glitzernden Fransen in Gold, dazu ein gestreiftes Oberteil mit schwarzen und gelben geometrischen Figuren....was soll das ?
      Imperial ?( :duck_weg:
      1900
      "Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken." (E.Kästner)
      "Trolle gibt es leider immer noch, auch wenn ich in natura noch keinen sah" (unbekannt)
      FT Theater:
      El Tren´s Theater: Bar & Lounge
    • So, der letzte Teil unserer Reise steht an.....mal abgesehen von dem kleinen Spin Off, das ich noch verfassen werde.
      Wir gönnen uns den Luxus etwas später aufzustehen, denn unser Zug von Edinburgh nach Newcastle geht erst gegen Mittag. Wobei das "wir" sich auf Bene und mich bezieht, weil Scheppy etwas früher aufgestanden ist, um noch schnell Arthur´s Seat rauf zu joggen. Kranker Typ, aber irgendwo müssen die unter 10 % Körperfettanteil ja herkommen. Ich habe da deutlich mehr Körperfett, muss dafür aber nicht mitten in der Nacht aufstehen, um auf einen Berg zu joggen :D
      Unser letztes full scottish breakfast, und irgendwie freue ich mich auch wieder auf "normales" Frühstück in Deutschland. Wir lassen noch einmal das ein oder andere Erlebnis Revue passieren, und sind uns einig - es war ein geiler Trip. Wir hatten zwar nicht immer das Glück auf unserer Seite, aber insgesamt ist ja alles immer noch irgendwie gut ausgegangen. Mehr zählt nicht.
      Klamotten einpacken, Taschen auf und an den Fahrrädern verstauen, und gemütlich radeln wir in Richtung Bahnhof.
      Dort angekommen wuchten wir unsere Räder über eine Treppe hinauf zum Bahnhof, und stellen fest.....ein paar Meter weiter wäre ein Aufzug gewesen. Warum einfach, wenn es auch schwer geht ;)
      Die Tickets für diese Fahrt waren ebenfalls schon im Vorfeld reserviert, da auch hier gilt - maximal 3 Fahrräder pro Zug, und Mitnahme nur mit vorheriger Fahrradplatzreservierung. Die Tickets soll man mit einer Buchungsnummer und der Kreditkarte am Automaten ausdrucken können. Schauen wir mal....
      Klappt tadellos.
      Durch Erfahrungen aus der Vergangenheit wissen wir - gut auf die Tickets aufpassen ;)
      Wir begeben uns also mit den Tickets zum angegebenen Bahngleis, und sind etwas enttäuscht. Kein Drehkreuz, keine Bahnmitarbeiter. Einfach die Fahrräder bis auf den Bahnsteig schieben und gut ist. Vielleicht macht es Sinn im Vorfeld ausfindig zu machen, in welchen Wagen des Zuges wir dann gleich unsere Fahrräder bringen müssen, denn bei 14 Wagen könnte das ansosnten noch kniffelig werden.Weil wir keinerlei Details zu den Wagen am Bahngleis selber ausfindig machen können, spricht Bene eine Reisegruppe älterer Herren an. Etwa 2 Minuten redet man mit starkem Dialekt und durcheinander auf uns ein, und zusammenfassend hätte man es auch einfach mit "keine Ahnung" abkürzen kennen. Weitere 8 Minuten erzählt man uns Geschichten der schottischen Armee, denn es handelt sich um eine Gruppe ehemaliger Soldaten. Dem Durcheinander zu folgen ist nicht so leicht, und ehrlich gesagt bin ich ganz froh als unser Zug in den Bahnhof einfährt.

      Wir werden etwas hektisch, da keiner der Wagen eine Kennzeichnung für Fahrräder trägt, machen aber einen Schaffner ausfindig, der uns sehr zuvorkommend hilft. Die 3 Fahrräder kommen in den eigentlichen Triebwagen der Lok. Genauer gesagt stellen wir die Räder zwischen ein paar lose Paletten mit Getränkeflaschen und das persönliche Gepäck der Zugbegleiter. Eine Sicherung der Fahrräder in irgendeiner Art und Weise ist nicht nötig......interessant ;)
      Selbstverständlich sind unsere Sitzplätze 6 Wagen von den Fahrradstellplätzen entfernt....nun ja.
      Zu unserer Belustigung hat man in unseen Wagen eine Gruppe Damen im Alter von ca. 45 bis 50 Jahren platziert, welche sich auf Jungesellinnenabschied befinden. Es ist kein wenig laut, es wird auch überhaupt nicht getrunken, und natürlich werden auch andere Fahrgäste nicht belästigt :D
      Für die kurze Fahrt von 2,5 Stunden aber auch egal.....

      Gegen 13:30 sind wir in Newcastle, verlassen den Zug, und während wir erstaunt feststellen, dass dort keine Drehkreuze sind, und sich auch ansonsten niemand für unsere Tickets interessiert, fällt uns auf, dass auch im Zug niemand unsere Tickets sehen wollte. So unterschiedlich können also die Kontrollen der schottischen Bahn aussehen. Die Fahrradkarte sagt, dass wir noch etwa 40 Minuten am Kanal, durch Newcastle, bis zum Fähranleger fahren müssen. Bei leicht bewölktem Himmel eine sehr angenehme Angelegenheit, und auch von der Strecke an sich sehr schön zu fahren. Wir sind insgesamt recht positiv von Newcastle überrascht, da es doch insgesamt einen deutlich schöneren Eindruck macht, als wir uns das so erwartet hätten. Hier könnte man sicherlich auch mal so ein oder zwei Tage verbringen. Wir aber hier und jetzt nicht, denn unsere Fähre geht heute :)

      Kurz vor dem Fährhafen kommen wir an einem Costa Restaurant vorbei, und Benes Hunger (ich habe das Gefühl er hat Angst vor der Schiffsschaukel, und will einfach noch was Essen BEVOR ihm dann später übel wird), treibt uns in dieses Restaurant hinein. Es ist sehr, sehr gut besucht und ich muss rückblickend sagen, dass das Essen in diesem Restaurant das mit Abstand schlechteste der letzten 14 Tage war. Meine Fresse, was für eine Orgie an Convenience Food.....TK Burger Patties, Fertigpommes, eine echt fragwürdige Sauce....und das alles mit viel Lieblosigkeit angerichtet. Ok, wenigstens war es nicht billig :D
      Jetzt aber auf zur Fähre....

      Der Check-in verläuft reibungslos, und wir haben die identische Kabine der Hinfahrt. War es nicht der Commodore der gesagt hat "My Home is my Broom Closet" ?
      Das Schiff legt planmäßig ab, und heute gönnen wir uns nochmal schön Pizza für 17 €....ach komm, und pack ´ne Pulle Rotwein drauf. Was soll der Geiz.
      Zwei Dinge unterscheiden sich deutlich von der Hinfahrt. Zum einen partroulliert überall auf dem Schiff Security mit Tasern und Handschellen, und zum anderen sind eine Menge betrunkener Engländer an Bord. Ich habe das Gefühl, dass es da einen kausalen Zusammenhang gibt....

      Die Überfahrt selber verläuft, auch vom Seegang her, erfreulich ruhig, und wir während wir am nächsten Morgen frühstücken, spricht Bene die Security an. Es scheint vom Alkoholkonsum an Bord einen eklatanten Unterschied zu geben, ob man Festlandeuropäer nach England befördert, oder ob man Engländer auf den Kontinent bringt. So, so.....das kam uns am Vorabend auch so vor ;)
      Was wir auch nicht wussten, ist das es einige Gefängniszellen an Bord gibt....für die ganz uneinsichtigen Fälle. Auf meine Frage, ob man die Zellen den regelmäßig benutzen würde, bekommen wir eine Geschichte über ein Europapokal Auswärtsspiel von Newcastle zu hören....
      Mehrere Hundert Newcastle Fans an Bord der Fähre, Größere Schlägereien bis weit nach Mitternacht, und so überfüllte Zellen, dass ein Teil der "Kunden" mit Kabelbindern in einem Lagerraum verstaut werden musste. Sicherlich für die wenigen "normalen" Gäste an Bord und vor allem mitreisende Familien kein schönes Erlebnis.

      Die Fähre legt an, und wie auch schon auf der Hinfahrt, sind wir Fahrradfahrer die letzten die von Bord gehen dürfen. Wir schließen quasi den Schuppen ab, verstauen unsere Fahrräder in unseren wartenden VW Bus, und lassen uns zurück in den Ruhrpott kutschieren. Der Regen peitscht gegen den Bus, wir reden recht wenig, und jeder von uns hängt so seinen Gedanken und den Erinnerungen der letzten 14 Tage nach.
      Zurück im Pott verabschieden wir uns herzlich, und jeder fällt seiner Familie in die Arme.......
      So schön und aufregend dieser Trip war, es fühlt sich einfach endlos geil an nach Hause zu kommen :)

      Ich danke euch für das Mitlesen hier, und werde euch noch dazu nötigen ein Fazit und das Spin Off (Crystal Meth Deathstar Zombies) zu ertragen.
      Mmmmmm....Crystal Meth Deathstar Zombies klingt irgendwie nach einem geilen Bandnamen 8)
      Alba gu bràth
    • Danke für diesen Hammerbericht Andreas. :top:
      „Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann wenn ich will, dann mag ich auch nicht, wenn ich muss. Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll, und dann kann ich auch, wenn ich muss. Denn schließlich: Die können sollen, müssen auch wollen dürfen.“ (unbekannt)
    • Das muss ich eventuell wirklich erwähnen, weil es auch einige Rechtschreibfehler erklärt (natürlich nicht alle ;) ).

      Große Teile dieses der Texte habe ich tatsächlich auf dem Handy getippt. Ich hatte zu Beginn des Berichts festgestellt, dass es mir abends etwas an Zeit mangelt, um den Bericht so schnell fortzuführen, wie ich es eigentlich wollte.
      Da ich in der Woche aber als Beifahrer täglich 40 Minuten zur Arbeit hin, und 40 Minuten zurück, im Auto verbringe, habe ich angefangen diese Zeit zu nutzen.

      Schuld an allen Fehlern ist entsprechend die böse, automatische Wortkorrektur :D
      Alba gu bràth
    • Wow und Respekt ! Für auf dem Handy ist das absolut flüssig geschrieben. Wenn ich längere Texte schreibe, finde ich das Handy in diesem Punkt immer hinderlich, da ich gerne nochmal einen Absatz oben drüber, einen Satz lese usw.. Alles mMn sehr umständlich mit dem Handy. Beim Handy muss es gleich von Anfang an sitzen.

      Mal unabhängig davon, dass es sehr umständlich ist, da einem Zehnfingerschreiben nicht wirklich hilft.
    • Toller Bericht :top: :top: Vielen Dank!

      Und Dein Knie hat das alles mitgemacht???
      Slainte

      Jörg

      ___________

      Bibo ergo sum

      Ich trinke Alkohol nur an Tagen, die auf -g enden. Und mittwochs.

      Urmenschen hatten nur Biofleisch, viel Bewegung, keine Zigaretten, keinen Alkohol und sind dennoch nie älter als 35 Jahre geworden.