​Cotswolds Distillery​ - England

    • ​Cotswolds Distillery​ - England

      ich hatte am Montag auf der Whisky Show 2017 in London ein sehr nettes Gespräch mit dem Eigentümer der Cotswolds Distillery
      sie versuchen einen Whisky herzustellen der so schön und sanft ist wie Ihre Landschaft
      1000 Flaschen der ersten echten Abfüllung gehen über Kirsch Import nach Deutschland
      ich hatte vorort einen Schluck davon -- sanft
      ein sample hat er mir mitgegeben zum tasten

      ich hätte auch ein Fass kaufen können für 2.995 Pound
    • Gleich geht's rüber zur Brennerei. Freue mich schon :ok:

      Für einen Reisebericht ala Hannes oder Andy wird es wohl nicht reichen, aber ein paar Eindrücke von dem Treiben dort werde ich wohl geben können.
      (es steht ja bislang nur ein echter Whisky auf dem Tresen (neben ein paar on-the-ways und jede Menge Pfui-Gin), dazu ein paar Biere aus einer nahe gelegenen Brauerei... das gibt keine großen Erinnerungslücken)
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    • Schön war's. Allerdings mit zwei Überraschungen, die den Tag ein wenig anders verliefen ließen als geplant...

      Auf dem Weg zur Brennerei meinte meine Frau, dass Sie uns im Linksverkehr doch lieber nicht zurück nach Hause fahren wollte. Hmm, kurz hochgerechnet, was man für 0,35 Promille alles trinken kann... ein Dram und ein halbes Pint gingen wohl noch, wenn ich früh mit dem trinken anfange. Tja, man kann eben nicht alles haben :/

      Die zweite Überraschung gab es bei der Einfahrt auf das "Parkfeld" gegenüber der Cotswold Distillery. 5 Minuten nach Beginn des "Whisky Harvest Festival" standen da schon mer als 100 Autos, fein geparkt in Reih' und Glied. Sollte das etwa ein größeres Event werden? Ich dachte wegen der doch recht menschenfreien Lage der Brennerei und deren Bekanntheitsgrad eher so an 200 oder 300 Gäste 8|

      Auf dem 50 Meter langen Weg vom Auto zur Brennerei haben wir bestimmt 20 Stewards passiert, die den Verkehr regeln sollten. Was auch sehr gut geklappt hat. Da wurden also scheinbar doch mehr Gäste erwartet, als ich mit gerechnet hatte.

      Auf dem Feld neben der Brennerei standen gut sichtbar von der Straße 2 größere Festzelte. In einem Teil des einen war direkt die Ticketkontrolle, aus dem anderen kam gute Musik. 5 lokale Bands standen auf dem Programm. Zwischendurch wollte der Gründer, Daniel Szor, noch ein kleine Rede halten, zusammen mit einem Special Guest. Zu diesem sage ich später noch etwas mehr.

      Die Gebäude der Brennerei, vorne der Shop und die Administration, hinten das Brennhaus, sehen wirklich genauso pittoresk aus (über das Lagerhaus ganz hinten rede ich lieber nicht), wie man es von den Bildern der Brennerei kennt. Da braucht man nur ganz, ganz wenig Photoshop. Ok, diese Bilder sind dann auch bei schönem Wetter gemacht. Heute war der Himmel gemischt dunkelgrau und hellgrau mit ein paar Flecken in blau und ein paar mehr in pechschwarz. Geregnet hat es aber nicht und das passte dann schon.

      Also raus mit den Tickets, die Handgelenke freigemacht und dran mit den haarausreißenden Klebebändern. Mann, wie ich und die Haare an meinen Handgelenken diese Dinger doch hassen... :cursing:

      Hinter dem Eingangszelt staunte ich dann nicht schlecht über 3 weitere große Partyzelte, die sich bisher gut versteckt hatten. Eins für Bier aus einer nahegelegenen Brauerei Hook Norton sowie Wein und Zuckerwasser, ein Zelt für Whisky und Gin der Brennerei (inkl. aller möglichen Cocktails und Longdrink-Varianten davon), ein Zelt für den Magen, das schon genannte für die Ohren und das eben passierte mit Tickets und Shop. Puha, wir waren also bei weiten nicht alleine auf dem großen Feld.

      Wie ich später bei einem kurzen Plausch mit Dan hörte, hatte man 1500 Gäste eingeladen. Ein anderer Mitarbeiter meinte, dass man über 2000 Gäste erwarten würde. Das war ein Fest! Es sollte eigentlich um 17 Uhr zu Ende sein, aber als wir gegen halb 5 wieder gefahren sind, begann es im Musikzelt erst richtig loszugehen. Ich glaube nicht, dass man pünktlich Schluss gemacht hat. Soll aber auch egal sein, Nachbarn konnte man hier mit der Musik nicht stören. Die waren sicher alle vor Ort.

      Zuerst ging es bei Bier und Zuckerwasser vorbei. Frau und Kind wollten schließlich auch was zu trinken. Frau bekam eine Cola, Kind bekam einen "Fruit Shoot", irgendeine Limonade ohne Zucker, das passte schon. Bier wollte ich noch nicht, mein erster Drink sollte der neue englische Whisky sein, auf den man in dieser Gegend sichtlich stolz war.

      In Zelt 2 gab es den. Ich ran an den Tresen, und sah, dass man dafür 5 Pfunde haben wollte. Hmm, stolzer Preis für einen Dram, von dem die Flasche auf dem Festland irgendwas um die 55 Euro kosten soll?! Die Frau hinterm Tresen meinte aber, dass ich mir mal meinen Haarausreißer am Handgelenk ansehen sollte, da müsste doch ein Token dran sein für einen Gratis-Dram. Hey ho, ja stimmt, hatte ich vor lauter Epilierschmerz gar nicht bemerkt. Und die Menschenmenge in der Mitte des Zeltes ließ auch auf was kostenloses schließen. Kurz rüber, kurz Schlange stehen, wir sind immer noch in England, da klappt sowas gut.

      Vor mir standen dann 5 oder 6 Whiskyfässer, auf deren Deckeln dutzende Pinnchen standen. Alle richtig gut mit Lebenswasser gefüllt (das waren weit mehr als 2cl!). Mit einem kurzen Ruck habe ich den Token vom Armband abgerissen und zusammen mit ein paar Haaren dem netten Mitarbeiter in die Hand gedrückt. Ein Inaugural Release war meins, gerne gegen ein paar Haare eingetauscht.

      War er lecker? Naja, er roch ok. Aber er war jung. Honig und Karamell waren deutlich, dahinter ein paar Kräuter und säuerliche Früchte. Deckt sich bis dahin gut mit der Beschreibung der Brennerei. Der Mund war dann voller Holz. Nicht wirklich überraschend, aber doch zu deutlich. Süße und Bitterkeit gingen da fast völlig unter. Was jedoch gut war und auf Besserung bei längerer Reife hoffen lässt, waren die Vollmundigkeit und die Öligkeit des Drams. Der Abgang war hingegen eher kurz, zuckersüß und doch holzig bitter. Da war noch nicht viel zu holen. Insgesamt würde ich den Whisky nicht als sanft oder leicht bezeichnen. Aber ich finde ihn für dieses junge Alter gut gelungen. Da kommt in ein paar Jahren bestimmt noch was Leckeres auf uns zu :top:

      Dann gab es was zu essen. Die Auswahl war groß und international (von Gyros bis Knäckebrot), die Schlangen eher kurz und überschaubar. Gut so. Dreimal Schweinebraten-Sandwich mit Knusperkruste (Frau meinte, dass sie das an ein dänisches Flæskesteg-Sandwich erinnere und der Junior war wegen der Knusperkruste direkt mit dabei). War zwar am Ende nicht wirklich wie erwartet, aber es war lecker. Und sättigend.

      Während Sohnemann noch einen Fruit Shoot bekam, tauschte Frau auch ihren Token ein. Ich schaute mich in der Zwischenzeit ein wenig um. Am Ticketschalter fragte ich, ob ich mir mal das Produktionsgebäude ansehen könnte. Nein, völlig ausgeschlossen, heute ist ja Festival, da kann man da nicht rein. Öhhhhmmm, aber da gehen doch ständig Leute hin und gucken? Ja, dafür braucht man dann ein spezielles Ticket. Ok, dann schaue morgen mal, ob Frau und Sohn nicht nochmal mitkommen wollen. Dann machen wir eine normale Tour mit...

      Wieder auf dem Gelände lief mir der gut beschäftigte Dan über den Weg. Mojn, tolles Fest, alles gut? Ja, bestens. Kann man verstehen, bei so viel Zuspruch. Wer ich war? Oh ja, Whisky-Blog aus Deutschland, nettes Interview vor 3 Jahren, als ihr hier anfingt... ja, richtig, er erinnerte sich. Tat er nicht, wie sich später herausstellte. War aber auch egal, das sollte heute keinem die Laune verderben. Freundlich beglückwünscht, und zur Sicherheit gefragt, ob ich mich denn in der Produktion mal umsehen könnte. Klar, gar kein Problem! Produziert wird zwar im Moment nicht, weil die Kollegen anderes zu tun haben (jo, konnte man deutlich sehen) und ganz nah dran kommt man auch nicht, aber geh' einfach rüber, da sitzt ein Mitarbeiter und beantwortet gerne alle Fragen. Fett! Danke, Dan, und noch alles Gute für die Zukunft!

      Zurück zur und vorbei an der netten Frau am Ticketschalter. Zum Triumph kurz einen Finger gehoben. War es der Daumen oder war es der Mittelfinger, ich weiß es nicht mehr. Am Tor zur Produktionshalle saß Angus auf ein paar Fässern und gab geduldig und bereitwillig Auskunft zu allen möglichen Fragen. Die Jungs und Mädels hier sind wirklich mehr als nur Angestellte (wenigstens die, die nicht am Ticketschalter standen), die sind voll bei der Sache. Viel zu sehen war von dort aus zwar nicht, aber es gab einen netten Einblick in das Herz der Brennerei. Zwei Pot Stills für den Whisky, zwei Holstein Column-Stills für den Gin. Die zweite, größere Column-Still hatte man eben erst angeschafft, um mit der kleinen, älteren mehr experimentieren zu können.

      Das war und ist auch der Fokus der Brennerei - Experimente, gerade beim Gin. Was schmeckt, was nicht? Wie weit kann man gehen, was schmeckt dem Kunden? Der hauseigene Gin tut es offensichtlich und darum musste auch eine zweite Still her (mir schmeckt er genauso wenig wie jeder andere Gin, den ich bisher probiert habe... aber das ist eine andere Geschichte). Darum arbeitet man mittlerweile auch im Zweischichtbetrieb und kann... puhh, wie viel war das nun... 3 Hoggies pro Tag mit Whisky befüllen. Reicht das für 400.000 Flaschen im Jahr? Dann stimmen die Zahlen :rolleyes:

      Beim Whisky befindet man sich auch immer noch in der Findungsphase. Man weiß mittlerweile natürlich, wie sich das Destillat in einem Bourbonfass entwickelt. Aber das Experimentieren ging bzw. geht auch hier noch weiter. Was da nicht alles in Einzelfässern diversester Abstammung landet(e), wie Angus erzählte. Vor mir stand passenderweise auch gleich ein Fass mit dem Kürzel "POM" auf dem Deckel - Pommeau. Allerdings werde man die Marke der Brennerei nicht mit dem Release von unzähligen Einzelfassabfüllungen verwässern. Da gibt es wohl eine klare Strategie. Auch das Inaugural Release wird in der aktuellen Form oder so ähnlich nicht zu einem vorläufigen Standard. Schön zu hören ;)

      Es wurde so langsam Zeit, sich mal wieder bei der Familie blicken zu lassen. Außerdem gab es bald Dan's Rede und den Überraschungsgast. Auf dem Festgelände hörte ich beim Rumschlenden hier und da ein paar deutsche Brocken. Später sah ich auch Petra Milde von meinwhisky.de (oder war es ".com"?), die scheinbar eifrig ihre zweiten Eindrücke der neuen Brennerei digital verewigte (ihre ersten hatte sie ja auch schon vor 3 Jahren über die Cotswold Brennerei geschrieben).

      Dan Dan's Rede. Viel Dank, viel Ehre, viel Applaus. Sehr nett, und auch sehr ergreifend, als alle ihr Glas für den verstorbenen Jim Swan erhoben, der den Stil der Brennerei definiert hat. Dann ging Dan dazu über, den Überraschungsgast anzukündigen. Als das Wort "Nachbar" fiel, schwante mir schon Böses. Als kurz darauf ein Stoppelbartgesicht mit Hut auf die Bühne schlich, musste ich mich nach keiner ganzen Minute umdrehen und gehen. Den Bibelverfasser konnte ich mir nicht antun. Nicht, wenn man als Gastredner schon nach ein paar Sekunden in Selbsthudelei verfällt.

      Egal, das Wetter war schön und alle hatten gute Laune. Auch der Sohnemann, dem meine Frau kurz vor der Heimfahrt ein Eis versprochen hatte. Für ihn gab es zweimal Schokolade (verdammt gute!), für mich ein Whiskyeis und ein Vanilleeis (verdammt durchschnittlich!). Egal, das Wetter war schön und alle hatten gute Laune.

      Wir standen dort also so rum und schleckten unser Eis, als wir eine witzige Tempo(Taschentuch)-Bekanntschaft machten. Wie das? So: auf der Erde neben uns lag eine Packung Tempo's. Mein Frau zu mir: Hast du die verloren? Nö, du? Nö, ich habe meine noch. Na, wird dann wohl einer der anderen Deutschen verloren haben. Engländer kennen Tempo(s) ja nicht. Weiter mit dem Eis. Kurze Zeit später sah meine Frau, dass die Tempo's weg waren. Hatte wohl jemand gefunden und aufgehoben. Stimmt, die lagen nun auf dem Tisch neben uns, vor dem ein junges Pärchen saß. Ich rüber: Schau, noch ein paar Deutsche! Ungläubiges Staunen auf der Bank vor dem Tisch. Woher wusste der das bloß? Fingerzeig zum verräterischen Detail auf dem Tisch. Tja, so einfach geht das manchmal mit Enthüllungen :D

      Es gab noch ein nettes Gespräch mit dem Pärchen aus Köln, die für's Wochenende mit dem Auto in die Cotswolds gefahren waren. Dann wurde es aber langsam Zeit, dass ich mir meine vor 3 Jahren bestellten Flaschen aus dem Shop abholte. Mein Frau suchte noch ein "Urlaubs"-Mitbringsel für ihren Vater und kaufte sich auch ein Flasche. Mal sehen, was übermorgen so alles in den Koffer passt...

      Alles in allem war das also eine richtig gelungener Nachmittag. Nette Leute, tolles Fest, gelungener Whisky. Herz, was willst du mehr? Fotos? Die muss ich leider später nachliefern... wenn wir wieder zu Hause sind und ich mit einer Maus statt eines Touchpads arbeiten darf.
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    • Da treibt der Herr Whiskinger sich herum ... und schreibt interessante Berichte. Also einen, aber immerhin ...

      Nun um seine Reisetätigkeit wissend, nehme ich mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück, was ich drüben beim Salat schrieb ... na ja.. wenigstens zurück ...

      Neidvolle Grüße
      Karl
      Ehret die Blends! Ohne sie hätten wir keine Single Malts!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von RavenNevermore ()

    • Sehr schöner Bericht.

      Und zum selbsthudeleienden Whiskybibelpapst kann ich nur sagen: Great minds think alike! Alles richtig gemacht.

      Ich freue mich auf die Bilder.

      Gruß, Nils
      There are two things best taken naked, and one of them is whisky.
    • Jetzt also ein paar Bilder vom Event...

      Die Begrüßung
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      Der Chef (keine Bange, der beißt nicht...)
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      Die Gebäude (ohne Sonnenschein)
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      Der Event
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      Die Produktion
      Foto 07.10.17, 15 09 48.jpg

      Der Angus (auf dem Fass)
      Foto 07.10.17, 15 18 55.jpg

      Das Pommeau (aus dem Fass)
      Foto 07.10.17, 15 12 19.jpg
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